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Bei Ausbruch des Coronavirus droht Nordkorea eine Katastrophe

Für die noch verbliebenen Ausländer wird die Situation in Nordkorea immer schwieriger. Sie befinden sich in Quarantäne und dürfen die Wohnungen sowie Residenzen nicht mehr verlassen.

In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjongjang wird das Innere eines Autobusses desinfiziert.

In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjongjang wird das Innere eines Autobusses desinfiziert.

Kyodo / Reuters

Pjongjang rühmt sich, dass sich in dem abgeschotteten Land noch niemand mit dem neuartigen Coronavirus Covid-19 infiziert habe. Die sonst so schweigsamen nordkoreanischen Staatsmedien berichten recht ausführlich über den Verlauf der Epidemie und weisen schon fast genüsslich darauf hin, dass in Südkorea die Situation ausser Kontrolle geraten sei. Die bisherigen Erfolge im Kampf gegen Covid-19 werden mit dem raschen Eingreifen der nordkoreanischen Machthaber begründet. Das Land hat denn auch als eines der ersten die Grenzen abgeriegelt. So dürfen seit mehr als einem Monat keine Touristen mehr ins Land. Und auch die wenigen Flugverbindungen mit dem Ausland sind sistiert worden. Zudem sind seit 20. Februar für mindestens vier Wochen Kindergärten und Schulen geschlossen.

Ausländer unter Quarantäne

Wie schwierig die Situation selbst für Diplomaten in Nordkorea ist, hat jüngst der russische Botschafter Alexander Matsegora gegenüber der Nachrichtenagentur Tass geschildert. So können die 254 in Nordkorea arbeitenden Russen ihre Wohnungen und Residenzen nicht mehr verlassen. Auch Treffen mit Diplomaten aus anderen Ländern sind nicht mehr möglich, betonte Matsegora. Und in China sowie in Russland bestellte Güter werden nicht mehr nach Pjongjang geliefert, fügte der russische Diplomat an. Die staatliche Radio Korean Central Broadcasting Station bestätigte indirekt die ungewohnt offenen und kritischen Worten des russischen Botschafters. Laut dem Propagandasender sind rund 380 in Nordkorea lebende Ausländer unter Quarantäne gestellt worden.

Mit einer Lockerung ist in den kommenden Wochen nicht zu rechnen. Jüngst hat der in Peking beheimatete Reiseveranstalter Koryo Tours mitgeteilt, dass der für den 12. April terminierte Marathon abgesagt worden ist. Die Veranstaltung gibt es seit 1981 und ist auch als Hommage an den Staatsgründer Kim Il Sung, der Grossvater des derzeitigen Staatsoberhaupts Kim Jong Un, zu verstehen. Dessen Geburtstag am 15. April wird in Nordkorea als Tag der Sonne gefeiert; Kim Il Sung verkörpert für die Nordkoreaner nolens volens die Sonne.

Seit 2014 dürfen an dem Marathon, der von Koryo Tours mitveranstaltet wird, auch Ausländer teilnehmen. Die Absage dürfte Pjongjang treffen. Das Grossereignis ist für das unter Sanktionen leidende Land eine willkommene Möglichkeit, um an Devisen zu gelangen.

Propaganda schwört auf harte Zeiten ein

Auf das wirtschaftlich bereits darbende Land dürften wegen der verschärften Abschottung noch grössere Probleme zukommen. China ist trotz der Sanktionen der noch immer wichtigste Handelspartner Nordkoreas, auch wenn der Güteraustausch seit 2017 drastisch zurückgegangen ist. Inzwischen müssen wegen Covid-19 selbst aus dem Ausland kommende Güter für mindestens zehn Tage in Quarantäne und dort desinfiziert werden, bevor sie an den Bestimmungsort gelangen dürfen. Der Handel zwischen China und Nordkorea dürfte derzeit wohl zum Erliegen gekommen sein.

Das mediale Sprachrohr der herrschenden Arbeiterpartei Koreas, die Zeitung «Rodong Sinmun», hat in einem am Montag publizierten Artikel die Landsleute auf harte Zeiten eingeschworen. Es sei aussergewöhnliche Entschlossenheit vonnöten, um Schwierigkeiten zu überwinden. In dem Kommentar wird zwar kein Bezug zu den internationalen Sanktionen und den Massnahmen wegen Covid-19 hergestellt. Es braucht jedoch wenig Fantasie, um diesen Zusammenhang herzustellen.

Am Boden liegendes Gesundheitssystem

Pjongjang wird wissen, welche desaströsen Folgen mit einem Ausbruch von Covid-19 verbunden wären. Das Gesundheitssystems liegt am Boden. Und die Immunsysteme der oft unterernährten Nordkoreaner sind geschwächt, weshalb das neuartige Coronavirus eine grosse Bedrohung darstellt. In dem erstmals im Oktober vergangenen Jahres veröffentlichten Global-Health-Security-Index belegt Nordkorea unter 195 Ländern bei der Frage, wie schnell es auf Epidemien reagieren und diese eindämmen kann, weit abgeschlagen den letzten Platz.

Der Gefahr ist sich auch das amerikanische Aussenministerium bewusst. Jüngst hatte es mitgeteilt, man sei tief besorgt, wie verletzlich die Nordkoreaner bei einem Ausbruch des Virus seien. Washington betonte, dass man amerikanische und internationale Organisationen unterstützen werde, um eine Streuung von Covid-19 zu vermeiden.

Die Vereinten Nationen haben inzwischen reagiert und ein Gesuch des Internationalen Roten Kreuzes angenommen, wie auf der Site nknews.org zu lesen ist. In einem Schreiben der Uno ist detailliert aufgelistet, welche Güter trotz der bestehenden Sanktionen mit einem Flugzeug geliefert werden dürfen. Dazu zählen etwa 1000 Infrarot-Thermometer, jeweils 10 000 Test-Kits und Handschuhe sowie 4000 chirurgische Gesichtsmasken