Switzerland

Bed & Breakfast: Hier bezahlen Gäste die Renovierung

Die österreichische Architektin Elisabeth Herring und ihre Tochter Valerie haben ein verlassenes und heruntergekommenes Schloss aus dem 16. Jahrhundert gekauft. Um die Renovation des maroden Gebäudes in Frankreich zu finanzieren, hat das Mutter-Tochter-Duo von Anfang an Zimmer vermietet.

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So können die Gäste nicht nur finanziell zur Renovation beitragen, sondern gewissermassen auch live dabei sein, wenn das Schloss wieder in seinen prachtvollen Zustand zurückversetzt wird.

Mit der Hilfe eines Sponsors gekauft

«Wir haben uns in das Schloss verliebt, ohne etwas über vorherige Besitzer, die Geschichte oder die Gegend zu wissen, in der es steht», sagte Tochter Valerie gegenüber dem Blog MessyNessy. Die beiden entdeckten das Schloss 2017, sahen aber eigentlich keine Chance: «Es war ein Kampf wie David gegen Goliath. Der Kaufpreis war wahnsinnig hoch, unsere Mitbieter vermögende Amerikaner. Niemand in der Gegend wusste, wer wir waren», so Valerie.

Nur dank der Hilfe eines Freundes konnten sich die beiden den Kaufpreis des Château de Freschines leisten. Das Schloss befindet sich rund zwei Stunden von Paris entfernt, in Villefrancœur.

Berühmte Vorbesitzer

Das Schloss gehörte einst dem berühmten französischen Chemiker Antoine-Laurent de Lavoisier. Er und seine Frau Marie-Anne, die ebenfalls Chemikerin war, führten im Château diverse Experimente durch und forschten dort, bis Antoine-Laurent 1794 festgenommen wurde. Er wurde gegen Ende der Französischen Revolution geköpft.

Das Schloss hat 26 Hektar Umschwung, eine eigene kleine Kapelle und diverse Gebäude auf dem Grundstück, darunter ein Gewächshaus und einen Pferdestall. Nach de Lavoisier zog ein französischer Soldat ein und das Schloss blieb mehrere Jahrzehnte im Besitz dieser Familie.

Freiwillige Helfer und Profis

Schliesslich, in den Siebzigern, befand sich im Château eine psychiatrische Klinik. Sie blieb bis 2013, seither ist das Schloss verlassen. Nach sechs Jahren wurde das Schloss verkauft, Elisabeth Herring und Valerie zogen ein.

Mit der Hilfe von lokalen Handwerkern und diversen Freiwilligen begann die Renovation. «Ein 30-Zimmer-Schloss zu renovieren und neu einzurichten ist ein endloses Unterfangen», sagt Elisabeth. Diverse Möbel stammen aus Antiquitätenläden oder Brockenhäusern in der Umgebung.

Gäste unterstützen Renovierung

Bereits nach kürzester Zeit konnte das Duo einzelne Zimmer im Château de Freschines vermieten. Gäste können einzelne Zimmer für rund 150 Franken mieten – oder gleich das ganze Schloss für ungefähr 1000 Franken pro Nacht.

Derzeit gibt es im Schloss Platz für 16 Gäste. Glaubt man den Kommentaren auf Airbnb, dann ist das Schloss seinen Preis wert: «Aussergewöhnliches Erlebnis», «wunderschöne Zimmer» und «ein fantastisches Projekt!»

Einziger Nachteil: Es gibt keine Toiletten in den Zimmern und zurzeit auch kein warmes Wasser. Das versuchen Valerie und Elisabeth aber mit einem liebevollen Frühstück und intensiver Gästebetreuung wettzumachen.

(mst)