Switzerland

Beben im Schweizer Festival-Markt

Es schwang ein bisschen Rütlischwur-Romantik mit, als im November 2015 die Vertreter fünf etablierter Schweizer Konzertveranstalter ihren Zusammenschluss zur Firma Wepromote bekannt gaben: Man wolle mit dieser Kräfteballung die Unabhängigkeit als Schweizer Veranstalter gegen die ausländische Konkurrenz langfristig sichern, hiess es damals. Hauptakteure waren die Betreiber des Open Air St. Gallen, die Firma Wild Pony, die damals noch das Gurtenfestival programmierte, sowie die Agentur Gadget, die jährlich über 400 Konzerte in der Schweiz organisiert. Ihr Problem damals: Als Einzelveranstalter hatten sie zunehmend Mühe, die grossen und mittelgrossen Bands in die Schweiz zu locken und mit den Gagen-Offerten internationaler Mitbieter mitzuhalten.

Heute treten dieselben Akteure wieder an die Öffentlichkeit, um die grösste Fusion im Schweizer Konzert-Milieu bekannt zu geben. Die neu gegründete Gadget Abc Entertainment Group soll eine führende Rolle im Schweizer Entertainment-Markt einnehmen – doch mit der Unabhängigkeit gegenüber der ausländischen Konkurrenz ist es nun vorbei: Hauptaktionär des neuen Verbundes ist der deutsche Livemulti CTS Eventim, neben Live Nation der weltweit führende Musik- und Ticketvermarkter.

Grob zusammengefasst, heisst das, dass Festivals wie das Open Air St. Gallen, das Seaside in Spiez, die Summer Days in Arbon oder Unique Moments in Zürich neu unter dem Dach von CTS Eventim stehen. Die Firma Abc, die unter der bisherigen Leitung des Schweizer Konzert-Grandseigneurs André Béchir die meisten grossen Stadionkonzerte des Landes veranstaltete, gehört neu auch dem Verbund an. Béchir wird der neuen Firma, die in der Schweiz geführt wird, als Berater zur Seite stehen.

Die wichtigsten Fragen, Antworten und Einschätzungen zur neuen Firma.

Was bedeutet diese Fusion für den Schweizer Konzertmarkt?
Die beiden Grosskonzerne CTS Eventim und Live Nation haben es sich zum Ziel gesetzt, den Livemarkt weltweit zu beherrschen. Sie binden Künstler an ihre Konzertagenturen, kaufen weltweit Clubs, Festivals und lokale Veranstalter auf, um ihre Acts möglichst in der eigenen Wertschöpfungskette zu platzieren. Und sie beherrschen den Ticketmarkt, weil dort – ohne grosses Risiko und mit fragwürdigen Gebühren – die grössten Margen in der gesamten Musikindustrie einzustreichen sind.

Nachdem Live Nation bereits das Openair Frauenfeld und den Konzertveranstalter Mainland aufgekauft hat, ist zu befürchten, dass sich mit der Übernahme von Wepromote durch CTS Eventim das weltweit vorherrschende Duopol der beiden Livemultis langsam auch in der Schweiz durchsetzt. Da die beiden Firmen die grossen und mittleren Stars quasi untereinander aufgeteilt haben, wird es für kleinere und unabhängige Festivals zunehmend schwieriger werden, an zugkräftige Bands heranzukommen. Entweder werden sie zu teuer sein, oder sie werden exklusiv nur an den konzerneigenen Festivals auftreten.

Was bekommen die Konzertbesucher davon mit?
Sie werden zunächst frohlocken. Die internationalen Superstars dürften in leicht erhöhter Kadenz in der Schweiz auftreten, sei es in den grossen Stadien oder an den Festivals. Sie könnten sich aber bald auch über höhere Ticketpreise wundern: Wo kaum mehr Konkurrenz herrscht, bestimmen die Branchenführer die Preise. Und irgendwann könnte sich die Ernüchterung einstellen, dass die ohnehin nicht allzu grosse kulturelle Vielfalt an den Grossveranstaltungen noch kleiner wird. Risiken werden von Live Nation und CTS Eventim kaum eingegangen, es wird gebucht, was funktioniert.

Einer der Superstars im Portfolio von CTS Eventim: Ed Sheeran, hier bei seinem Auftritt im Letzigrund im Sommer 2018. Foto: Urs Jaudas

Es ist anzunehmen, dass am Open Air St. Gallen künftig mehrheitlich Bands auftreten werden, die bei CTS Eventim unter Vertrag stehen. Darunter sind Namen wie Chemical Brothers, Foo Fighters, Mando Diao, Nick Cave, Pet Shop Boys oder Placebo, aber auch viele kleinere Acts wie Unknown Mortal Orchestra, The Black Keys, PJ Harvey, Nneka oder Feist. Die Superstars im Programm heissen Ed Sheeran, The Rolling Stones oder Taylor Swift.

Wer ist CTS Eventim?
Das Hauptgeschäft des Unternehmens ist der Verkauf von Tickets. In Deutschland werden circa 80 Prozent aller Eintrittskarten für Pop- und Rockkonzerte über CTS Eventim verkauft. Zum Portfolio gehören zudem Beteiligungen an Veranstaltungsfirmen und Festivals in ganz Europa. In der Schweiz war CTS bisher an Act Entertainment und an André Béchirs Abc Production beteiligt, ausserdem besitzt man 50 Prozent an Ticketcorner.

So hoch die Beliebtheitswerte der Firma an den Börsen sind (der Konzernumsatz betrug 2018 1,242 Milliarden Euro), so schlecht ist das Image beim Publikum. Wiederholt ist CTS wegen missbräuchlichen Ausnutzens der Marktmacht gerügt worden.

Was bedeutet die Fusion für die Schweizer Musikszene?
Auch wenn CTS Eventim durchaus kleinere Acts im Angebot hat, ist der Aufbau neuer Talente nicht ihr Hauptaugenmerk. Im neuen Verbund dürfte die Agentur Gadget (u.a. Baschi, Hecht, Stress, Pegasus) die Aufgabe zukommen, Schweizer Bands an die Festivals zu buchen. In Deutschland hat CTS durchaus einige einheimische Bands unter Vertrag, wer jedoch nicht dazugehört, hat es doppelt schwer, jemals an einem grossen Festival zu spielen.

Bei Gadget unter Vertrag: Die Band Hecht, die im vergangenen Herbst eine ausverkaufte Show im Hallenstadion gab. Foto: Tom Kawara

Das sagen die Verantwortlichen der neuen Firma:
Man habe mit der Fusion auf die starken Veränderungen im Musikbusiness reagiert, sagen Christof Huber, der Chef des Openair St. Gallen und Leiter der Festivalabteilung sowie Oliver Rosa, der die Firma neu gemeinsam mit Eric Kramer führen wird. Ihre Unabhängigkeit hätten sie damit nicht eingebüsst. «Das Unternehmen wird von uns in der Schweiz geführt, mit einem starken Partner an Bord», sagt Huber.

Er wird die neue Firma führen: Oliver Rosa. Foto: Samuel Schalch

Von einer Kapitulation gegenüber internationalen Grosskonzernen will er nicht sprechen: Doch das Festival- und das Konzertbusiness sei zu einem High-Risk-Geschäft geworden, und es tummelten sich darin Investmentfirmen, die anders als CTS Eventim keinerlei Interesse am Markt hätten. Angesprochen auf den schlechten Ruf von CTS Eventim, sagt Huber: «Bei einem Unternehmen dieser Grösse gibt es Schauplätze, die ein besonderes mediales Echo hervorrufen – aber die auch nichts mit uns zu tun haben.» Auch höhere Ticketpreise seien nicht zu erwarten. Oliver Rosa: «Den Preis definiert der Markt und nicht unsere Struktur.» Es drohe hierzulande auch keine Monokultur wie in England. «Die Vielfalt in der Schweiz wird es weiterhin geben», ist Huber überzeugt. «Wir sind nun vielleicht der grösste Player in der Schweiz, was die meisten von uns nie zum Ziel hatten. Doch an unserer Arbeit wird sich damit nichts ändern. Wir wollen eine gute Agentur sein, die fair mit den Partnern und den Mitarbeitern umgeht und die in den nächsten Jahren in diesem Bereich weiterarbeiten kann.»

Das sagt ein unabhängiger Veranstalter:
Simon Haldemann vom Gurtenfestival gehört zu den letzten grossen unabhängigen Festivalveranstaltern der Deutschschweiz. Man beobachte die neue Entwicklung mit «viel Respekt», sagt er: «Wir haben die Fusion mit Befremden zur Kenntnis genommen. Wie sie sich auf unsere Arbeit auswirken wird, können wir noch nicht abschätzen.» Die grösste Angst wäre, dass man als Veranstalter im Wettbewerb um die interessanten Bands schleichend in die zweite Reihe abrutschen könnte. «Unser Idealismus, ein eigenständiges und eigensinniges Festival zu organisieren, ist jedoch viel zu gross, als dass wir uns jemals Gedanken über einen ähnlichen Schritt gemacht hätten. Wie das in zehn Jahren aussieht, kann ich allerdings nicht sagen.»

Mitarbeit: Benedikt Sartorius

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