Switzerland

Basler Fasnacht abgesagt: Die drey druurigschte Dääg

Die Basler Fasnacht fällt dem Coronavirus zum Opfer. Absage! Die Stadt am Rheinknie trauert. Kein Morgestraich, kein Gässlen, kein Guggekonzert, kein Cortège, keine Schnitzelbänke, keine Drummler und Pfyffer. Aus den drey scheenschte Dääg werden die drey druurigschte Dääg.

Einer der Enttäuschten ist Karli Odermatt (77). Die FCB-Legende ist passionierter Fasnächtler. Am Tag der Absage sagt das Basler Original zu BLICK: «Für Basel ist das eine grausame Geschichte. Rund die Hälfte aller Basler macht Fasnacht. Und diese Hälfte trifft es hart. Die aktiven Fasnächtler haben so viel Zeit und auch Geld in die Wagen, Larven und Kostüme gesteckt. Ich hätte weinen können, als ich von der Absage erfuhr.»

«Gleich schlimm wie der Abstieg des FCB»

Odermatt, Obmann der Clique Mittwuch-Pfuuser, ordnet ein: «Die Absage der Fasnacht ist etwa gleich schlimm wie der Abstieg des FCB in den 80ern.»

Mit seiner Clique diskutiert er noch, wie man das Problem mit der Absage lösen könnte. «Mit unserem Wagen können wir sicher nicht gehen, das steht fest», sagt die Fussball-Ikone. «Eine Idee wäre, einfach von Beiz zu Beiz zu ziehen. Die Restaurants sind ja offen. Unsere Clique besteht nur aus sechs Personen. Wir alle haben nächste Woche Ferien eingegeben.» Natürlich werde sich seine Clique an die Regeln halten, fügt Odermatt hinzu.

Auch Niggi Spek (48), Obmann der Lälli Clique, kann es nicht fassen: «Meine erste Reaktion war trauriges Kopfschütteln und Unverständnis. Zugunsten der Gesundheit der Bevölkerung wurde die Fasnacht abgesagt. Wir akzeptieren diesen Entscheid, jedoch unter stillem Protest.»

Clique-Obmann findet: «Zu viel Panik»

Spek findet, dass man die Bedrohung durch das Coronavirus nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfe. Aber: Für ihn werde zu viel Panik gemacht. «Bundesrat Berset sagte, man sei in einem Pendlerzug weniger gefährdet. Daher müsse der Zugverkehr nicht eingeschränkt werden. Ich verstehe das nicht. An der Fasnacht ist man doch nicht enger aufeinander als im Pendlerzug. Bundesrat Berset war wohl noch nie in einem.»

Claude Schrank (35), Präsident der Fasnachtsgesellschaft Olympia, sagt, dass man nach dem Donnerstag die Absage schon fast befürchtet habe. «Immerhin haben wir jetzt einen klaren Entscheid, was den Umgang damit vereinfacht. Wir werden uns an die Regeln halten: keine Fasnacht im 2020.»

Auch Daniel Ackermann (53), Sekretär der Schotte Clique, ist enttäuscht: «Der Schock sitzt sehr tief. Wir werden aber den Sachverhalt so akzeptieren. Wir ziehen uns mit zwei weinenden Augen von jeglichen Aktivitäten an der Fasnacht 2020 zurück.»

«Werde im Kostüm auf die Strasse gehen»

Trauer herrscht auch bei der Baslerin Eileen (21). Sie ist aktive Fasnächtlerin: «Ich habe geheult, als ich von der Absage erfuhr. Ein Jahr Vorfreude und Vorbereitung – für nichts.» Aufgeben will sie deshalb aber nicht. «Auch wenn meine Clique offiziell sagt, dass der Bundesratsentscheid akzeptiert wird: Ich und einige Freunde werden trotzdem im Kostüm auf die Strasse gehen.»

Ob sie auch trommeln und pfeifen werde und montags um 4 Uhr am Morgestraich einstehen will, weiss Eileen noch nicht: «Vermutlich hat es zu viele Polizisten, aber das müssen wir dann vor Ort sehen.»