Switzerland

Basketballer gekündigt – «Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit»

Joshiko Saibou spielt eigentlich für die Baskets Bonn. Nun hat der Verein den Profi fristlos entlassen, nachdem dieser an der Corona-Demonstration in Berlin teilgenommen hatte.

Wurde nach der Teilnahme an einer Demonstration in Berlin gegen die Corona-Massnahmen fristlos entlassen: der deutsche Basketball-Nationalspieler Joshiko Saidou.

Wurde nach der Teilnahme an einer Demonstration in Berlin gegen die Corona-Massnahmen fristlos entlassen: der deutsche Basketball-Nationalspieler Joshiko Saidou.

Foto: Swen Pförtner/Keystone

Der Spieler der Bonn Baskets hatte an der Corona-Demonstration in Berlin teilgenommen.

Der Spieler der Bonn Baskets hatte an der Corona-Demonstration in Berlin teilgenommen.

Foto: Getty Images

Der Demonstrationsumzug hatte gemäss Angaben der Polizeit rund 20’000 Teilnehmer. Im Internet kursierten falsche Angaben von über 1 Million Demonstranten.

Der Demonstrationsumzug hatte gemäss Angaben der Polizeit rund 20’000 Teilnehmer. Im Internet kursierten falsche Angaben von über 1 Million Demonstranten.

Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

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«Ich bin Basketballer aber in erster Linie bin ich Mensch. Wenn ich eine polarisierende Meinung habe, ist Gegenwind verständlicherweise vorprogrammiert. Daraufhin jedoch meinen Job zu verlieren ist totalitär und ein Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit», macht der deutsche Basketball-Nationalspieler Joshiko Saibou auf Instagram seinem Unmut Luft.

«Ich habe immer geglaubt, bei den Bonn Baskets steht Toleranz an oberster Stelle, aber jetzt wird mir hiermit das Gegenteil bewiesen», schreibt der 30-Jährige.

Seine Freundin fühlte sich ihrer Freiheit beraubt

Die Bonner hatten am Dienstag Saibou wegen «Verstössen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler» fristlos gekündigt. Saibou habe laut Vereinsmitteilung «wiederholt auf Social-Media-Kanälen seine Haltung zur Pandemie oder zum Virus an sich geäussert und am vergangenen Wochenende bei einer Grossdemonstration auch praktiziert, indem er vorsätzlich gegen die bekannten Schutzregeln verstiess».

Von Saibou und dessen Freundin, der deutschen Leichtathletin Alexandra Wester (26), waren in den sozialen Netzwerken Fotos von ihrer Teilnahme an der Demonstration gegen die staatlichen Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie am Wochenende in Berlin zu sehen.

Die Olympia-Teilnehmerin von 2016 hatte zuletzt in einem auf Instagram veröffentlichten Video beklagt, durch die Corona-Massnahmen ihrer Freiheit beraubt zu werden. Zudem sprach sie in dem Beitrag von einem Impfzwang für die Bevölkerung oder von Ärzten und Anwälten, die die Menschenrechte verteidigen und dafür in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden. Saibou hatte unter dem Hashtag #AppellandenVerstand ein Video auf Instagram gestellt, in dem er seine Follower mit Bezug auf die Corona-Beschränkungen provoziert.

Zweifel aus arbeitsrechtlicher Sicht

Aus juristischer Sicht könnte Saibous Kündigung jedoch angreifbar sein. «Aufgrund der aus Presseveröffentlichungen bekannten Umstände kommen aus arbeitsrechtlicher Sicht Zweifel an der Haltbarkeit der fristlosen Kündigung auf», sagte der Arbeitsrechtler Oliver Simon von der Kanzlei CMS Hasche Sigle am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

«Dass sich ein Athlet zu Verschwörungstheorien äussert oder in sozialen Netzwerken entsprechende Inhalte ohne Bezug zu seinem Arbeitgeber teilt, dürfte in der Regel kein geeigneter Grund für eine fristlose Kündigung sein. Auch insoweit ist das grundrechtlich geschützte Recht auf freie Meinungsäusserung zu beachten», formulierte es der Jurist und verwies darauf, dass die rechtlichen Anforderungen an eine fristlose Kündigung hoch seien. Die Teilnahme an einer Demonstration gegen die Corona-Massnahmen habe zunächst einmal nichts mit seiner Tätigkeit als Profisportler zu tun.

Der Präsident spricht von «Fürsorgepflicht»

Bei den Bonn Baskets verwies Präsident Wolfgang Wiedlich darauf, dass «die anderen Clubs sich auf uns verlassen können müssen, dass das Infektionsschutzgesetz beachtet und die Hygieneregeln eingehalten werden. Wenn wir das nicht schaffen, gefährdet das nicht nur unsere, sondern die Existenzgrundlage aller Vereine der BBL.»

Ende März gab es bei den Baskets «fünf Infizierte, davon drei Erkrankte und darunter eine Person, die wochenlang auf der Intensivstation lag und künstlich beatmet wurde», teilte er erstmals mit. «Es kann uns keiner verdenken, dass wir nach dieser Erfahrung zu Anfang der Pandemie unsere Fürsorgepflicht für Mitarbeiter und Spieler sehr ernst nehmen», erklärte Wiedlich.

dpa/erh

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