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AZ Alkmaar ist der einzige Herausforderer des mächtigen Ajax Amsterdam

Nur der Klub aus dem Norden der Niederlande scheint den Alleingang des Rivalen aus der Metropole verhindern zu können. Hinter dem Verein steht eine gesamte Region. 

Der AZ Alkmaar spielt bisher eine überraschend starke Saison.

Der AZ Alkmaar spielt bisher eine überraschend starke Saison.

Piroschka Van De Wouw / Reuters

Am Ende war es eine «verdiente Niederlage», wie Arne Slot einräumte, vor allem «auf der Basis der zweiten Halbzeit». Dennoch wollte der stets besonnene 41-jährige Chefcoach von AZ Alkmaar tapfer bleiben. «Wir müssen nicht gleich alles nach unten ziehen», mahnte er mit Blick auf die Medienschar an, nachdem sein Ensemble 1:3 gegen Willem II verloren hatte. Sodann gab er die bescheidene Losung für die nächsten Wochen aus: «Wir möchten sehr gern da stehenbleiben, wo wir jetzt sind.»

Spricht so der oberste Stratege eines Klubs, der noch immer alle Chancen hat, den Leader Ajax ernsthaft herauszufordern? Und der bisher eine atemberaubende Saison gespielt hat? Eigentlich trennen die kleine Stadt Alkmaar in der Provinz Noord-Holland und das weltberühmte Amsterdam nur gut 50 Kilometer. Und den AZ Alkmaar, den Tabellenzweiten der Eredivisie, trennen nur sechs Punkte vom Leader Ajax. Nach der zweiten Niederlage in Folge aber erinnerte sich mancher daran, dass Alkmaar früher, wenn es darauf ankam, oftmals eine Kleinigkeit fehlte, um die Ajacieden entscheidend zu bedrängen.

Zwei Meistertitel

Hier der Grossverein, dort der ganze Stolz der Provinz: Zum Sommer sind es elf Jahre her, dass dieses ungleiche Duell einmal zugunsten des Aussenseiters ausging. Da konnte ein ambitioniertes Team unter der kühnen Regie des weitgereisten Erfolgstrainers Louis van Gaal den Amsterdamern eine lange Nase drehen. Schon drei Runden vor Saisonende stand der zweite Meistertitel in der Klub-Historie nach 1981 fest; und jener eigensinnige Mann, den sie nicht ganz zufällig «Generaal» nennen, durfte sich nach Erfolgen bei Ajax sowie in Barcelona eine weitere Blume ins Knopfloch drehen, bevor er sich Richtung München empfahl.

Dann implodierte das geschäftliche Imperium von Dirk Scheringa, dem mächtigen Hauptfinanzier des Vereins. An dessen Profi-Kader wurde fortan gespart, man erntete mittelprächtige Platzierungen. Umso überraschender der neue Aufschwung. Die Rot-Weissen wurden in den vergangenen Saisons Dritter und Vierter, bevor sie diesen Dezember den vorläufigen Kulminationspunkt erreichten. Da konnte das mit einem Jahresetat von 25,5 Millionen Euro zusammengestellte Team den ziemlich besten Feind Ajax (Etat 110 Millionen) 1:0 besiegen – und punktgleich aufschliessen.

Bilder aus dem Jahr 2009: Louis Van Gaal grüsst die Fans nach dem gewonnen Meistertitel mit dem AZ Alkmaar.

Bilder aus dem Jahr 2009: Louis Van Gaal grüsst die Fans nach dem gewonnen Meistertitel mit dem AZ Alkmaar.

Marcel Antonisse / EPA

Es war auch deshalb ein grosser Tag, weil da ein Provisorium zu Ende ging. Sechs Tage nach dem Saisonauftakt war ein Dachsegment auf die gottlob unbesetzten Ränge im AFAS-Stadion herabgestürzt. In der Folge mussten sieben Heimspiele in der Liga ebenso wie deren vier in der Europa League im knapp 90 Kilometer südlicheren Den Haag ausgetragen werden. Dabei sah man dann jeweils eine kleine Armada aus Bussen voller AZ-Fans von Noord-Holland gen Süden aufbrechen – gechartert vom Klub.

Drei Wettbewerbe

Vor dem Hintergrund mag man verstehen, dass der Cheftrainer Slot sich weigert, das Zwischenresultat seiner Spielergruppe extrem kritisch zu sehen. Dafür ist ihr einfach zu viel gelungen. Mit mutigem, offensivem Spiel hat sie die Zwischenrunde der Europa League erreicht; dort spielt sie in einigen Wochen gegen den Linzer ASK. Im nationalen Pokal geht AZ heute Dienstag in den Achtelfinal bei einem Zweitligisten. In der Liga wiederum beträgt der Vorsprung auf den Favoritenschreck Willem II fünf Punkte. Das ergibt in der Summe drei Optionen, sich weiter zu profilieren – Ajax hin oder her.

Und so hofft die kleine Fussballnation, dass die Alkmaarder im Frühjahr mehr unternehmen, als sich in der Tabelle nur nach hinten abzusichern. Dabei setzt sie vor allem auf die blutjunge Offensive, die rasanteste der Liga. Der Rechtsaussen Calvin Stengs und der Mittelstürmer Myron Boadu haben inzwischen den Sprung ins Oranje-Kader geschafft und ebenso das Interesse von Top-Klubs aus grossen Ligen geweckt. Da wirkt es beruhigend, dass im Trainingscamp beide erklärt haben, nicht noch durch das Wintertransfer-Fenster schlüpfen zu wollen. «Wir sind hier alle zusammen mit etwas Besonderem beschäftigt», erklärte der bisher elf Mal erfolgreiche Goalgetter Boadu: «Das wollen wir in der zweiten Saisonhälfte durchziehen.»

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