Switzerland

Auszeichnung für Flyer: Die Auftragsbücher sind mehr als voll

Das Flaggschiff des Huttwiler E-Bike-Hersteller wurde mit dem wichtigsten Award der Branche ausgezeichnet. Besuche im Werk sind zwar nicht möglich, doch die Montage läuft auf Hochtouren.

Bei Flyer wird mit Hochdruck gearbeitet, um die Aufträge bewältigen zu können

Bei Flyer wird mit Hochdruck gearbeitet, um die Aufträge bewältigen zu können

Fotos: Beat Mathys

Flyer-CEO Andreas Kessler gehörte nicht zu denen, die vor einem Jahr mit Sorge auf die Folgen der Corona-Pandemie blickten, im Gegenteil. Seine E-Bikes aus Huttwil boten der Kundschaft kleine Freiheiten in den Einschränkungen. Deshalb sagte er einen Run auf diese voraus.

Mit Zahlen belegen konnte er das damals noch nicht. Entsprechend sei er für diesen Optimismus zum Teil belächelt worden, sagt er heute. Doch inzwischen hätten die Zahlen sogar seine kühnen Prognosen übertroffen. Vorher wuchs Flyer Jahr für Jahr im tiefen zweistelligen Vergleich. Im Zusammenhang mit dem Corona-Jahr 2020 lässt Kessler das Adjektiv tief jedoch weg.

Dritte Fertigungsstrasse geplant

Er hält fest: «Obschon wir uns gemäss meinen Erwartungen vorbereiteten, ist es eine grosse Herausforderung, alle Aufträge in der Montage zeitgerecht zu erledigen.» Investiert hat Flyer letztes Jahr in eine zweite neue Fertigungsstrasse. Gegenwärtig arbeiten die Mitarbeitenden in der Montage in zwei versetzten Schichten – die einen beginnen bereits um 6 Uhr morgens und haben um 14 Uhr Feierabend, diejenigen, die sie ablösen, sind um 22 Uhr fertig. Für nächstes Jahr plant der CEO, eine weitere Million Franken in eine dritte Strasse zu investieren.

Drei Viertel der E-Bikes aus Huttwil gehen in den Export. Das Wachstum habe in allen Märkten gleichmässig stattgefunden, hält Andreas Kessler fest. Wobei Flyer sich mit Frankreich und Italien zwei neue Länder erschlossen hat. Beide hätten auf noch tiefem Niveau zur Steigerung beigetragen.

Der Showroom ist zu

In der Montage kann Flyer den Schutz der Mitarbeitenden gegenwärtig mit baulichen Massnahmen gewährleisten. Kundenbesuche im Werk musste die Firma hingegen mit den Vorgaben des Bundesrates im Januar wieder einstellen. «Gegenwärtig trifft das uns bei unseren touristischen Angeboten und den Bike-Vermietungen kaum», sagt Andreas Kessler. Denn im Winter sei das Interesse an Zweirädern geringer. «Wenn dann noch Schnee liegt, sowieso.»

Für Kunden bleiben die Türen bei Flyer geschlossen.

Für Kunden bleiben die Türen bei Flyer geschlossen.

Allerdings kann Flyer seine Kunden im Showroom in Huttwil gegenwärtig nicht persönlich beraten. Die Mitarbeitenden versuchen, dies mit Telefonberatungen wenigstens teilweise auszugleichen.» Auch wenn sich die Lage nicht bessern sollte, sobald im März die Tage wieder länger und wärmer werden, erwartet der CEO keine einschneidenden Auswirkungen. «Die Nachbestellungen sind nach bereits hohen Vorordern seit Monaten so hoch, dass wir beruhigende Arbeitsreserven haben.»

Stark gestiegene Transportkosten

Sorgen bereiten Andreas Kessler hingegen die Auswirkungen der Pandemie auf den Welthandel. Einzelne Komponenten rechtzeitig ordern zu können, sei schwieriger geworden. Zudem seien die Transportkosten wegen zusätzlicher Schutzmassnahmen und verknappter Frachtkapazitäten stark gestiegen. «Zum Teil werden Container versteigert, was die Preise um das Fünf- bis Sechsfache hochtreiben kann.»

Vereitelt hat das neue Virus zudem die geplanten Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen von Flyer. «Physisch ist dieser runde Geburtstag für uns Geschichte», hält Andreas Kessler fest. Die Firma erzählte ihre Geschichten stattdessen im Internet. Und statt einer grossen Sause propagierte sie die am Werk vorbeiführende Herzroute.

Die Verbindung für den Langsamverkehr vom Genfer- an den Bodensee sei als Ersatz für Fernreisen von den Schweizerinnen und Schweizern entdeckt worden, stellt Andreas Kessler fest. Und seine Zuversicht fürs angebrochene Jahr gründet unter anderem in der Tatsache, dass dieser Effekt auch im kommenden Sommer noch anhalten wird. Flyer hat deshalb die seit 2004 bestehende Partnerschaft mit der Herzroute eben um drei Jahre verlängert.

Gütesiegel für das Flaggschiff

Forciert hat Flyer in den letzten Jahren die Entwicklung eines neuen Flaggschiffs für seine Modellflotte. Das Mountainbike mit der Bezeichnung Uproc6 soll selbst anspruchsvollste Strecken und steilste Berg- und Abfahrten zum Spielplatz machen. Dass das gelungen ist, bestätigt nun der Award für Design und Innovation, den das Huttwiler Unternehmen von einer internationalen Fachjury erhielt. Der Preis ist ein Gütesiegel der Branche.

Mit 7600 Franken hat das Uproc6 allerdings einen stolzen Preis. Von den Anstrengungen für das Flaggschiff profitierten jedoch auch die anderen Modelle aus dem Werk in Huttwil, hält Andreas Kessler fest. «Und damit auch die Kunden, die sich für ein günstigeres Zweirad entscheiden.» Und sei es auch nur durch das neue Image, das Flyer mit dieser Auszeichnung gewinnt: jünger, sportlicher, moderner.

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