Switzerland

Ausschreitungen bei Anti-WEF-Demo in Zürich

Mehrere hundert Demonstrantinnen und Demonstranten haben am Mittwochabend im Zürcher Kreis 4 unter dem Motto «Züri gäge WEF» gegen das Weltwirtschaftsforum protestiert.

Schon nach wenigen Metern zündeten die Teilnehmer erste Leuchtraketen und Böller. Wenig später kam es zu Scharmützeln mit der Polizei, bei denen offenbar ein Polizist durch eine geworfene Flasche oder ein Feuerwerkskörper verletzt wurde.

Zudem wurde auf der Strasse ein Feuer entfacht. Die Polizei setzte einen Wasserwerfer ein. Der schwarze Block wollte von der geplanten Demonstrations-Route abweichen und warf Pyros, Feuerwerk und Glasflaschen auf Polizisten. Diese antworteten mit Tränengas.

Laut den VBZ sind mehrere Tramlinien beeinträchtigt. Es kommt zu Unregelmässigkeiten und Umleitungen auf den Linien 2, 3, 8, 9 und 14. Auch die Buslinie 32 ist betroffen.

Auf den Gleisen wurde ein Feuer entfacht. Bild: Daniel Pfeifer

Organisiert wurde die Demonstration von den Juso und den jungen Grünen. Es gesellten sich aber noch andere linke Gruppierungen dazu, darunter auch ein gutes Dutzend Vermummte des Schwarzen Blocks sowie ihre Anführerin Andrea Stauffacher.

Der Umzug führte vom Helvetiaplatz durch den Kreis 4 und wieder zurück. Die Zürcher Stadtpolizei hatte den Anlass zuvor bewilligt. Auch in Lausanne fand am Mittwochabend eine Anti-WEF-Demonstration statt. Dort nahmen allerdings nur 40 Personen teil.

Am Marsch beteiligen sich zahlreiche Familien, aber auch Vermummte. Bild: Daniel Pfeifer

Hunderte Demonstranten haben sich um 18 Uhr auf dem Helvetiaplatz versammelt, um gegen «Scheinheiligkeit», «Klima-Ignoranz» und «die Ausbeutung des globalen Südens» zu protestieren. Vom Helvetiaplatz aus zogen sie, begleitet von einem grossen Polizeiaufgebot, weiter in Richtung Sihl. Unter ihnen sind Familien, Klimaaktivisten, Frauenrechtler und Vermummte.

Protest gegen Industriegiganten und Trump

Die generelle Idee der Demo: «Gemeinsam wollen wir unsere Kämpfe verbinden und gemeinsam gegen das WEF protestieren.» Es geht ihnen nicht nur um die Veranstaltung selbst mit den immensen Kosten, mageren Ergebnissen und der schlechten CO2-Bilanz. Es geht dem Aktionsbündnis zum 50. Jubiläum des WEF auch um die Ausbeutung armer Staaten durch den «globalen Norden» und Firmen wie Nestlé, Glencore oder UBS, um die Vorherrschaft alter Männer unter den WEF-Teilnehmern internationaler Unternehmen.

Demonstranten zündeten Petarden, die Polizei steht im Einsatz.

Zwar übernehmen die Leitung dieses Jahr die Zürcher Juso und die Jungen Grünen, jedoch sollen Parteigrenzen keine Rolle spielen. Auch Organisationen wie Greenpeace, das Bündnis für Sozialismus sind vor Ort.

Das Thema Umweltschutz bestimmte schon das World Economic Forum selbst und nimmt nun auch in der Demo einen prominenten Platz ein. In Solidarität mit der Klimajugend rund um Greta Thunberg in Davos nimmt auch Climate Strike teil. «Züri gäge WEF» soll jedoch, das betonen die Organisatoren stark, keine Gegenveranstaltung zu den Demos vor Ort sein.

Die Polizei hielt sich zunächst im Hintergrund. Bild: Daniel Pfeifer

Den Protestzug gegen das WEF gibt es bereits seit vielen Jahren. Auch 2018 gingen die Demonstranten mit ihren kreativen und oft ziemlich derben Protestschildern US-Präsident Trump persönlich an. Und im vergangenen Jahr war eine Demo unter demselben Namen zur gleichen Uhrzeit am Helvetiaplatz gestartet. Damals aber noch nicht unter der Leitung von Juso und Grünen.

2019 war ein gewaltiges Polizeiaufgebot vor Ort, inklusive Wasserwerfern. Aufseiten der Demonstranten waren Vermummte mit Pyrotechnik unterwegs. Dieses Jahr, so Juso-Sprecher Nathan Donno, solle es «familienfreundlich» ablaufen.

Dieses Jahr hatte das Bündnis die Demonstration auch bewilligen lassen und hielt sich an eine festgelegte Demonstrationsroute. Nach der Bewilligung der Demonstration wurde das Polizeikontingent der Stadtpolizei Zürich um rund 100 Polizisten erhöht, um die Demo zu begleiten.

Das World Economic Forum in Davos erhitzt diese Woche die Gemüter. Das lag nicht zuletzt auch an der Anwesenheit von US-Präsident Trump und der aktuell brennenden Aufmerksamkeit für das Thema Klimaschutz. Trump verliess heute, einen Tag nach seiner Ankunft, die Schweiz schon wieder. Das WEF jedoch läuft noch bis zum Ende der Woche weiter.