Switzerland

Auf und neben dem Platz: Nach dem 1:4 gegen Zürich herrscht beim FCB schon wieder Untergangsstimmung

Meine Fresse!» Fabian Frei bolzt den Ball direkt nach Abpfiff wutentbrannt aus dem Stadion. Er motzt in Richtung Ricky van Wolfswinkel, weil der zuvor beim Stand von 1:3 nicht vehement genug verteidigt hatte und Frei in der Folge nur noch ein Foul im Strafraum ziehen konnte. Antonio Marchesano verwandelte den fälligen Penalty. Dann pfiff Schiedsrichter Sandro Schärer ab und der bemitleidenswerte FCB trottete von dannen.

Mit hängenden Köpfen versuchen Pajtim Kasami und Luca Zuffi anschliessend die 1:4-Niederlage zu erklären. Kasami spricht von einer «katastrophalen Leistung», Zuffi kann sich auch nicht so richtig erklären, was da gerade passiert ist. Er sagt: «Wir haben gerecht so hoch verloren. Die Enttäuschung ist riesig.»

Vor lauter Enttäuschung über die auf allen Ebenen ungenügende Darbietung in der zweiten Hälfte geht vergessen, dass der FCB eigentlich 45 Minuten ganz gut gespielt hat. Zumindest offensiv. «Wir müssen zur Pause führen», analysiert Heinz Lindner richtig. Doch weil FCZ-Goalie Yanick Brecher sowohl gegen Kasami als auch gegen Arthur Cabral stark pariert, geht der intensive Klassiker mit vielen Zweikämpfen torlos in die Pause.

Doch nach dem Seitenwechsel geht beim FCB gar nichts mehr. Der FCZ geht durch eine von Eray Cömert abgefälschten Volley von Blaz Kramer in Minute 67 in Führung. Es ist das erste FCZ-Tor im Joggeli seit März 2017. Sechs Minuten später doppelt Lasse Sobiech nach. Der Abwehr-Hüne köpft einen Freistoss von FCZ-Rückkehrer Blerim Dzemaili beinahe ungehindert ins Netz. Beim FCB werden erste Hände verworfen.

Das ist nicht mehr der FC Basel früherer Tage

Zwar kommt Rotblau durch eine sehenswerte Volley-Abnahme von Cabral nur zwei Minuten später wieder auf ein Tor ran. Doch die Schlussphase zeigt deutlich, dass der FCB 2021 nicht mehr der FCB früherer Tage ist. Der hätte nach dem Anschlusstreffer zumindest noch einen Punkt geholt. Doch weil Frei den nächsten Kopfball eines FCZ-Innenverteidigers – diesmal ist es Nathan – ebenso unglücklich ins eigene Netz lenkt, wie zuvor Kollege Cömert, stellt der FCZ in der 80. Minute die Weichen definitiv auf Auswärtssieg. Auf den ersten FCZ-Sieg in Basel seit 2013 ist Marchesanos Penalty zum 4:1 nur noch das I-Tüpfelchen.

Das 1:4 ist nicht nur die höchste FCB-Niederlage seit dem 1:7 vor zweieinhalb Jahren in Bern. Sie führt auch zu einem Negativrekord. Noch nie stand der Verein in der Super League nach 15 Runden mit weniger Punkten da. Kein Wunder ist die Stimmung im FCB nach nur einem Spiel bereits wieder im Keller.

Trainer Ciriaco Sforza versucht gar nicht erst, öffentlich Gründe für die Niederlage darzulegen. Er will lieber intern analysieren. Angesprochen auf den Rückstand auf YB und die dahinschwindenden Meisterchancen reagiert er pikiert: «Wir haben noch 21 Spiele und müssen auf uns schauen. Klar bin ich jetzt enttäuscht, aber wir geben deswegen jetzt nicht gleich alles auf.»

Der Verein zensiert die eigene Fankurve

Neben dem Ärger über den sportlichen Fehlstart sorgt ein letztendlich nur digital verbreitetes Protestbanner für Unmut. Der Hintergrund: Eigentlich wollten die FCB-Fans im Klassiker gegen den FCZ mit dem Banner die Mannschaft unterstützen und gegen die Klubführung protestieren, indem auf deren schlechte Wahlresultate an der vergangenen GV aufmerksam gemacht wird.

Der FCB liess dieses Banner vor Anpfiff entfernen.

Doch der Verein veranlasste, dass das bereits aufgehängte Banner vor dem Anpfiff wieder entfernt wird. Diese «Zensur» hat die Muttenzerkurve letztendlich in einem Protestschreiben auf ihrer Homepage öffentlich gemacht. Dort erneuern die Fans ihren Unmut gegenüber Eigentümer Bernhard Burgener und CEO Roland Heri deutlich. «Der FCB hat unter der aktuellen Führung kein Fundament mehr. Nur ein verhältnismässig kleiner Teil der Fans ist bereit, sich solidarisch zu zeigen», heisst es dort unter anderem in Anlehnung an die nur knapp 4000 verkauften Halbjahreskarten. Diese hatte Heri als Erfolg verbucht und sich für die Solidarität bedankt. Doch die Fans interpretieren diese relativ niedrigen Zahlen offenbar ganz anders.

Der Verein erklärt das Abhängen des Banners auf Anfrage damit, dass im Vorfeld nur eine unterstützende Aktion der Mannschaft genehmigt wurde. Wegen dem Zusatz entschied der FCB, das gesamte Banner zu entfernen, da sich die Fans nicht an die ursprüngliche Abmachung gehalten hätten. In Zeiten der freien Meinungsäusserung kommt das bei den Fans natürlich einem Affront gleich. Die Reaktion beider Parteien zeigt, dass das schlechte Verhältnis zwischen Führung und Fans kaum mehr zu kitten ist. Kaum hat das Jahr, in dem beim FCB eigentlich alles besser werden sollte begonnen, ist schon wieder Untergangsstimmung.

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