Switzerland

Auf ein nächstes Mal: Meine erste richtige Fasnachtserfahrung mit Fake-Kappe

Bunte Kleidung, bemalte Gesichter und Alkoholfahnen, die Tote auferstehen lassen – Ja, die Fasnächtler waren wieder da! Leider gehörte ich zu denjenigen, die noch nie etwas damit anfangen konnten. Besonders diese ohrenbetäubende Guggenmusik hat mich von jeglichen Veranstaltungen ferngehalten. Auch das Konfetti, das man an Stellen hat, wo man eindeutig kein Konfetti haben sollte, wurde bei diesem Krach zur Nebensache.

Doch in der nicht gerade grossen Schweiz hat wahrscheinlich jeder einen Freund oder eine Freundin, die sich das ganze Jahr auf die närrische Zeit vorbereitet. Wegen genau dieser Freundin führe ich jedes Jahr die gleiche Diskussion.

«Daniela glaub mir, das ist wie die Street Parade, einfach mit Konfetti und Kindern», sagte Selina.

«Ja, und Gugge statt Techno», erwiderte ich.

«Und Alkohol statt Ecstasy, also bitte komm. Es ist egal, wie laut du schreist und herumhüpfst, du kannst endlich mal die Sau rauslassen.»

Obwohl unser Dialog jedes Jahr mehr oder weniger gleich war, hat mich dieses «Sau rauslassen» diesmal überzeugt. Ich werde 27 Jahre alt und bin sozusagen hobbylos, habe keine Pläne für die Zukunft und suche ständig Ausreden, also eigentlich leide ich zurzeit unter einer weiblichen Form der Midlife-Crisis.

«Oki, ich komme», sagte ich und freute mich, bereits Anfang Jahr eine grosse Herausforderung meistern zu können. Wir verabredeten uns am frühen Abend in Baden. Ich war bewaffnet mit Ohropax, warmer Kleidung und einer «witzigen» Mütze, die eigentlich zu meiner normalen Garderobe gehört, vom Fasnachtsvolk aber falsch interpretiert wurde.

Zwischen Gretas, Männern in Hasenkostümen und vielen weiteren Verkleidungskünstlern trank ich mich bei Mr. Pickwick warm und bemerkte, dass sich mein Körper von ganz alleine zur Guggenmusik bewegte. Es war der Hammer, selbst das Konfetti, welches übrigens auch jetzt noch irgendwo in meiner Wohnung auftaucht, konnte meine gute Laune nicht vermiesen. Weshalb habe ich mich bloss all die Jahre gegen diese Fasnachts­tage gewehrt?

Um diese Frage zu beantworten, muss ich mich bis nächsten Februar gedulden, aber ich hatte es wohl immer im Gefühl, wie Fasnachten bei mir enden könnte. So viel schon mal vorweg: Der Kater hält an, mein Fieber sinkt und meine Stimme klingt langsam nicht mehr so, als wäre ich eine 80-jährige Kettenraucherin. Tja, die Sau rauslassen habe ich wohl zu wortwörtlich genommen und warte mit dem Wissen, dass es meinen neuen Freunden, den Narren, auch so geht, gespannt aufs nächste Jahr.,