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Switzerland

Attentäter aus der Schweiz in Kosovo verurteilt

Es waren tumultartige Szenen, die sich am Mittwoch in einem Gerichtssaal in der kosovarischen Hauptstadt Pristina abspielten. Als die vorsitzende Richterin das Urteil verkündete, schallten ihr Schmährufe entgegen: «Verrat!», «Mafiastaat». Daraufhin musste die Polizei eingreifen und Avni L. aus dem Saal hinausführen.

Der Kosovo-Albaner mit Wohnsitz in der Zentralschweiz erhielt wegen Anstiftung zum Mord eine Gefängnisstrafe von zwölf Jahren. Er soll im März 2017 den in Freiburg lebenden Murat J. dazu angestachelt haben, den prominenten Anwalt und ehemaligen Politiker Azem Vllasi in Pristina zu töten.

Der Täter zückte die Waffe und schoss

Murat J. erschien damals mit einer Pistole mit Schalldämpfer vor der Anwaltskanzlei und klingelte. Als Vllasi öffnete, zückte der Täter die Waffe und schoss. Das Opfer erlitt Verletzungen durch Streifschüsse. Für das Verbrechen wurde Murat J. zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Das Gericht schob sie aber zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme auf. Die Anwältin von Murat J. sagte dieser Zeitung, ihr Klient leide unter einer akuten Schizophrenie. Sechs weitere Personen erhielten mehrjährige Haftstrafen.

Laut kosovarischen Medien reisten Avni L. und Murat J. wenige Tage vor der Tat aus der Schweiz nach Pristina und stiegen in einem Hotel ab. Zusammen mit anderen Kosovo-Albanern hätten sie die kriminelle Organisation «Das Auge des Volkes» (Syri i popullit) gegründet mit dem Ziel, hochrangige Politiker in Kosovo umzubringen, sagte die Richterin. Die Vorbereitungen dazu hätten die Mitglieder der Gruppe in einem «westeuropäischen Staat» getroffen. Wo genau dies geschehen sein soll, erklärte das Gericht nicht.

Als erster Name auf der Todesliste der ominösen Organisation stand offenbar der Anwalt Azem Vllasi, der in den 80er-Jahren Vorsitzender der Kommunistischen Partei in Kosovo war. Ehemalige politische Gefangene machen ihn für die damalige Repression des Belgrader Regimes schuldig. Vllasi wurde später zum Gegner des serbischen Gewaltherrschers Slobodan Milosevic und landete 1989 im Gefängnis. Die erstinstanzlich Verurteilten hätten sogar Staatspräsident Hashim Thaci und andere Amtsträger töten wollen, heisst es in der Urteilsbegründung.

Kenner schliessen ein Komplott nicht aus

Thaci trat im Prozess als Zeuge auf und behauptete, hinter der «terroristischen Organisation» stünde die linke Oppositionspartei Vetevendosje (Selbstbestimmung) von Albin Kurti, die bei Parlamentswahlen Anfang Oktober die meisten Stimmen gewann. Zuvor hatte Thaci den Männern Verbindungen bis nach Moskau unterstellt. Das halten nicht nur ihre Anwälte für unglaubwürdig. Kenner der politkriminellen Szene in Pristina schliessen einen Komplott nicht aus, um vor allem Murat J. als möglichen Zeugen gegen führende Köpfe der kosovarischen Rebellenarmee UCK auszuschalten.

Der 63-jährige Vater von drei Kindern war während des Krieges (1998/99) ein wichtiger Waffenlieferant der UCK. Der Schmuggel flog auf, und J. wurde von einem Gericht in St. Gallen zu 18 Monaten bedingter Haftstrafe verurteilt. Er rechtfertigte sich damals, dass er seinem bedrängten Volk habe helfen wollen, und das Gericht begründete die milde Strafe mit «achtenswerten Beweggründen».

Nach dem Krieg schrieb Murat J. ellenlange Briefe an kosovarische Medien, in denen er die Korruption der Machtclique um Thaci anprangerte und vom Missbrauch der Gelder aus «Kriegskassen» sprach. J.s Bruder starb im Kosovo-Krieg als Kommandant der UCK, die genauen Umstände des Todes wurden nie geklärt. Die meisten der gestern in Pristina verurteilten Männer sind radikale Nationalisten und waren in ihrer Jugend blinde Anhänger der kommunistischen Diktatur in Albanien.

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