Switzerland

Atalanta-Boss über die Lage in Bergamo: «Es ist wie in einem Weltkrieg!»

Bergamo gleicht einer Geisterstadt. Jeden Tag sterben mehr als 100 Personen am Coronavirus. Es gibt keine Beerdigungen mehr, die Toten werden mit Militärfahrzeugen in andere Städte gebracht und verbrannt. «Wir erleben eine unglaubliche Tragödie, der eine ganze Generation zum Opfer gefallen ist. Das Virus befällt auch jüngere Menschen. Wir kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind, es ist wie in einem Weltkrieg», sagt Antonio Percassi der «Gazzetta dello Sport» am Sonntag. Der 66-jährige Unternehmer ist Eigentümer von Atalanta Bergamo. Der Fussballklub ist der grosse Stolz der Stadt.

Noch am 19. Februar hat Atalanta – mit den Schweizer Fussballern Remo Freuler und Berat Djimsiti – Valencia 4:1 besiegt und den Grundstein für die Champions-League-Viertelfinal-Quali gelegt. Zehntausende Fans haben sich nach einem historischen Sieg in den Armen gelegen. Ausgerechnet diese Partie im Mailänder San Siro gilt mittlerweile als Brandbeschleuniger bei der Ausbreitung des Virus. Von der Champions League redet längst keiner mehr.

An Fussball denkt keiner mehr

Percassi beklagt den Tod von acht Mitarbeitern im Umfeld des Serie-A-Vereins. Dennoch versucht er, der leidgeprüften Bevölkerung Mut zu machen. «Die Leute in Bergamo sind zäh und beweisen auch in dieser Situation einen starken Charakter. Unser Klub umarmt jeden, der in dieser Zeit leidet. Wir sind es gewohnt zu kämpfen und werden wieder glücklich miteinander sein», sagt Percassi und dankt den vielen Sanitätern, die rund um die Uhr im Kampf gegen die Pandemie engagiert sind.

An Fussball denkt im fussballverrückten Italien zurzeit keiner mehr. Und das wird auch länger noch länger so bleiben. «Ich werde vorschlagen, den Stopp sportlicher Wettbewerbe aller Art auf den ganzen April auszudehnen», sagte Sportminister Vincenzo Spadafora am Sonntag zur Zeitung «La Repubblica».

In Italien stieg die Zahl der Todesopfer durch Covid-19 am Sonntag auf 10'779 Menschen. Am Sonntagabend teilt der zuständige italienische Zivilschutz jedoch mit, dass die Kurve der Neuerkrankungen langsam abzuflachen scheint.

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