Switzerland

Asbest-Opfer Werner Schläpfer (67) aus Riehen BS: Suva gibt Sittichen Schuld an Lungenkrankheit

Werner Schläpfer (67) aus Riehen BS arbeitete erst als Elektromonteur jahrelang mit giftigen Asbestplatten und war später als Zivilschutz-Instruktor zudem toxischen Metalldämpfen und Rauchgas ausgesetzt. Nun ist seine Lunge kaputt, die Ärzte geben ihm kaum noch eine Überlebenschance.

Doch die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUVA will für diese Berufskrankheit keine Leistungen übernehmen – denn Nichtraucher Schläpfer hielt zwischen 2016 und 2017 zwei Nymphensittiche in seiner Wohnung. Für die Suva ist klar: Seine Krankheit könnte auch auf diese Vögel zurückzuführen sein. Beweise? Fehlanzeige!

Asbest früher Alltag

Zum ersten Mal mit Asbest in Berührung kam Schläpfer 1969, als er seine Lehre als Elektromonteur startete. «Asbestplatten zuschneiden und bohren gehörte zum Alltag», erinnert sich der pensionierte Büezer. Damals war noch nicht bekannt, wie gefährlich Asbeststaub für den Menschen ist. «Wir arbeiteten nie mit Mundschutz, so was war damals kein Thema», sagt er. 1991 wechselte er schliesslich seinen Job, wird Zivilschutz-Instruktor und ist dort zuständig für die Ausbildung der Zivilschutzleistenden zum Thema Brandbekämpfung.

Als Offizier der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Basel war er kompetent in diesem Thema – doch auch diese Arbeit war damals noch mit gesundheitlichen Risiken verbunden. «Wir mussten in alten Häusern Brände legen – um dann demonstrieren zu können, wie man diese schnell und professionell löscht», erinnert sich Schläpfer. Verbrannt habe man damals alles, was brennbar war. «Bis 1995 trug man dafür keine Atemschutzmasken – heute undenkbar», so Schläpfer.

2017 kollabiert die Lunge

Seine berufliche Vergangenheit kommt ihn heute teuer zu stehen. Im Oktober 2017 wird er notfallmässig ins Unispital Basel eingeliefert. Die Lunge kollabiert. «Im Spital kämpften sie erfolgreich gegen meinen Tod – doch meine Lunge konnten sie nicht mehr retten.»

Ärzte entdecken in seiner kaputten Lunge Staubablagerungen, Metallpartikel und eine «stark erhöhte Anzahl Ferruginous Bodies sowie zahlreiche Amphibolasbest-Fasern», wie es in einem Gutachten heisst. Das sind gesundheitsgefährdende Stoffe, die typischerweise in Lungen von Menschen gefunden werden, die mit Asbest gearbeitet haben.

Schläpfer muss sich im Mai 2018 einer Lungentransplantation im Unispital Lausanne unterziehen. Seither besteht sein Leben aus dem Hoffen, dass der Körper die neue Lunge nicht abstösst. Es sieht nicht gut aus. Immer wieder muss Schläpfer mit Komplikationen ins Spital: «Die Ärzte sagen mir, dass ich jeden Moment sterben könnte.»

Die Eingriffe gehen ins Geld

Die Operationen, Therapien und Spitalaufenthalte gehen zudem ins Geld. Und genau hier muss der schwerkranke Mann nun auch noch mit der Suva streiten. «Sie tut alles, um den Schaden an meine Krankenkasse abzuschieben. Mit finanziellen Folgen für mich, aber auch für die Gesamtheit, da meine Behandlungen und die Transplantation extrem teuer sind.»

Seine Lungenkrankheit ist nicht eindeutig einer Ursache zuzuordnen. Dafür sei der Krankheitsverlauf zu untypisch. Die Suva dazu: «Während des ganzen Abklärungsprozesses fehlten Hinweise, dass bei Herrn Schläpfer tatsächlich mit der gesetzlich geforderten überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine Berufskrankheit vorliegt.» Sie zahlen dem kranken Mann nun nichts.

Schuld sollen plötzlich zwei Vögel sein

Abenteuerliches Argument: Theoretisch wäre es möglich, dass seine Nymphensittiche, die Schläpfer rund ein Jahr lang in seiner Wohnung gehalten hatte, seine Lungenkrankheit ausgelöst hat. Von der Suva bestellte Gutachter erwähnen die Vögel immer wieder – und wiegen die mögliche Staubbelastung der Tiere gegen Schläpfers Berufsleben ab.

Schläpfer wehrt sich nun mit einem Anwalt gegen die erste Verfügung der Suva. Der Rekurs ist hängig. Nachdem BLICK die Suva jedoch mit den Vorwürfen von Schläpfer konfrontiert hat, bietet sie ihm an, den Fall mit einem weiteren Gutachten erneut zu prüfen.

Ihr Vorgehen verteidigt die Unfallversicherung: «Die Voraussetzung für Leistungen der Suva sind im Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) definiert. Wir haben alle Massnahmen zur Aufklärung des Sachverhalts und dem Leistungsanspruch von Herrn Schläpfer sorgfältig geprüft», sagt Mediensprecherin Simone Isermann zu BLICK.

Schläpfer macht sich keine Illusionen: «Wenn ich bis zu diesem Termin noch lebe, habe ich Glück gehabt.»

Gefährliches Asbest

Keystone

Bereits geringe Mengen von Asbeststaub in der Luft kann Lungenkrebs auslösen.

Der Baustoff Asbest wurde zwischen 1904 und 1990 in verschiedenen Produkten im Hochbau verwendet. Vor allem in Gebäuden aus den 50er- bis 70er-Jahren ist Asbest häufig verwendet worden. Das Problem: Bereits geringe Mengen von Asbeststaub in der Luft können Lungenkrebs auslösen. Vom Einatmen bis zum Ausbruch der Krankheit können aber bis zu 40 Jahre vergehen. «Aufgrund dieser langen Latenzzeit erkranken heute noch Menschen, die schon vor vielen Jahren mit Asbest in Berührung kamen», schreibt die Suva zum Krankheitsverlauf.

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