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Arbeitswelt: Hört auf, junge Frauen im Job zu belächeln!

Job & Budget

Friday-Autorin Alisa Fäh ist es leid, dass junge Frauen wegen ihres Alters andauernd herabgesetzt werden – und das auch noch verharmlost wird.

„Danke Süsse, aber ich frage lieber einen von den Kollegen“, sagt der Gast, der an der Bar schon eine Weile ungeduldig auf sich aufmerksam gemacht hatte. Ich war auf ihn zugegangen, um seine Bestellung aufzunehmen. Anstatt von mir bedient zu werden, wollte er aber doch lieber warten – weil er merkte, dass ich eine Frau Anfang Zwanzig bin. Für ihn schlossen mein Geschlecht und mein Alter aus, dass ich Drinks genauso gut wie meine männlichen Kollegen mixen kann und Ahnung davon habe, was ich tue.

Damit ist er nicht allein. Gerade klingen von überall Stimmen, die Greta Thunberg aufgrund ihres Alters jegliche Kompetenz absprechen: „Was versteht dieses Mädchen schon vom Leben?“ Sie versteht viel – und offenbar mehr, als dies so mancher älterer Kritiker tut. Menschen auf ihr Alter zu reduzieren und sie abfällig zu behandeln ist nämlich ziemlich diskriminierend. Und doch geschieht es ständig.

Ich bin kein Prinzessli

Sobald bekannt wird, wie jung ich bin, belächeln mich Ältere plötzlich. Dann höre ich höchstens, dass ich den Job „gut, für mein Alter“ erledige. In Meetings wird schon abgewunken, währenddessen ich noch meinen Input äussere. Ich werde jünger gemacht, als ich bin: „Bei den Sugababes warst du doch nicht mal auf der Welt.“ Mir werden Kosenamen gegeben. Und plötzlich bin ich weniger intelligent oder habe ein geringeres Allgemeinwissen: „Das Bermudadreieck kennst du bestimmt nicht?“

Ich muss andauernd das Bild des kleinen Mädchens abschütteln. Ob im Job, einem Fotografiegeschäft oder einer politischen Diskussion: Als Frau Anfang Zwanzig werden mir oft direkt Naivität und fehlende Fähigkeiten zugeschrieben. Bei jungen Frauen wird davon ausgegangen, dass sie es einfach nicht drauf haben – und das gilt für gefühlt alles, ausser hübsch lächeln.

Softness ist unerwünscht

Mein Alter führt dazu, dass ich nicht ernst genommen werde und paradoxerweise Ratschläge auf mich einprasseln, wie ich dem entgegenwirken soll. Unter den Zaubertricks finden sich „zieh Kleidung in gedeckten Tönen an“, „lächle weniger“ und „achte darauf, dass deine Stimme nicht hoch klingt“. Die Message: Verstell dich so, dass du betont hart wirkst. Erst dann hast du es verdient, respektiert zu werden. Bei Männern wird auf diese Tipps verzichtet.

Ich kenne unzählige Geschichten von jungen Frauen, die stetig abschätzig behandelt und zurechtgewiesen werden. Es sind keine Einzelfälle, sondern Alltag. Diejenigen, die sich dagegen wehren und diese Vorfälle ansprechen, werden als empfindlich und undankbar bezeichnet. Respektlose Aussagen ihnen gegenüber werden mit „in ein paar Jahren verstehst du das“ verharmlost. Es ist ein friendly Reminder daran, dass wir nicht alt genug sind, um eigene Ansichten zu haben und damit direkt an den Kindertisch verwiesen werden.

Wir verdienen Raum

Es muss endlich aufhören, dass junge Frauen ständig belächelt und kleingemacht werden. Schluss damit, dass wir unsere Persönlichkeit ablegen, damit man uns ernst nimmt. Dass wir uns regelrecht verausgaben müssen, damit uns überhaupt erst zugehört wird.

Auch im letzten Büro sollte angekommen sein, dass Erfahrungen, Skills und Wissen in jedem Alter möglich sind und eine Zahl nichts darüber verrät, wie kompetent jemand ist. Junge Frauen sind vollwertige Erwachsene und verdienen gleich viel Raum und Respekt wie Ältere. Diese Einsicht würde allen gut tun – denn wir haben tatsächlich viel drauf. Auch Drinks.

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