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Anwesenheit ist noch keine Erziehung

Viele Väter überlassen heikle Themen gerne den Müttern. Dabei hätte die gemeinsame Erziehung so viele Vorteile.

Wir wollen lieber spielen! Die sogenannten Bärenväter bleiben bei Erziehungsfragen gerne passiv. Foto: iStock

Es gibt diese Sorte Kinderbücher, oft mit einer Kleinfamilie aus anthropomorphen Bären: Bärenjunge, Bärenmutti und Bärenvati. Der verspielte und etwas dickköpfige Junge durchlebt auf Kosten von Mutters Blutdruck einen aufregenden Tag. Mutti trägt permanent eine Schürze, auch ausserhalb der Küche. Der Bärenvater erscheint nur in einer Szene. Zum Start seines Auftritts kommt er von der Arbeit nach Hause, schraubt in der Garage am Oldtimer oder schaut sich im Fernseher ein Fussballspiel an. Da die Mutter schier verzweifelt, weil Bärli nicht aufessen, Zähne putzen oder ins Bett gehen will, ruft sie den Vater. Der kommt und brummt ein Machtwort, worauf das Kind artig erledigt, was es soll. Der Vater stampft hinfort.

Ich darf guten Gewissens behaupten, kein Bärenvater zu sein. Immerhin arbeite ich Teilzeit, bin oft im Homeoffice, verbringe viel Zeit mit meinen Kindern und kümmere mich um alle Belange ihres Lebens.

Der Bär drückt sich vor heiklen Themen

Kürzlich wurde ich gefragt, was meine Art Vater zu sein von der meines eigenen Vaters unterscheidet. «Sehr viel», hätte ich spontan geantwortet. Doch dann kamen mir auch einige Gemeinsamkeiten in den Sinn. Mein Vater war in meiner Kindheit durchaus präsent. Als Bauer und Holzfäller arbeitete er oft im Homeoffice … oder nebenan im Stalloffice. Ich war kein typisches Bauernkind und dennoch oft mit meinem Vater unterwegs. Er hat mir vieles beigebracht. Ich kann Bäume fällen, ein Feld pflügen und Mist ausbringen. Das hilft mir noch heute, wenn ich im Büro eine Entscheidung fällen, ein Projekt umpflügen oder meine Meinung begründen muss. Dafür bin ich meinem Vater dankbar.

Über Alltägliches haben wir jedoch selten gesprochen, und auch in der Erziehung war mein Vater nicht sehr aktiv. Ein typischer Bärenvater. Meine Mutter rief ihn, wenn sie mit ihrer Geduld am Ende war – was nicht besonders oft vorkam. Zum Glück, denn mein Vater sass häufig vor dem Fernseher und schaute «Ben Hur», seinen Lieblingsfilm. Und damals gab es ja noch keine Pausetaste.

Das Resultat: Meine Mutter hat mich stärker geprägt, mir Werte mitgegeben und mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Eine neue Generation von Bärenvätern

Das war vor 30 Jahren. Aber auch heute kann man noch junge Bärenväter mit ihren kleinen Kindern beobachten. Sie sind zeitlich präsenter als ihre eigenen Väter und oft stolz darauf. Doch auch sie erziehen nicht wirklich. Sie spielen vielleicht mit den Kindern oder üben mit ihnen ein Hobby aus. Die breite Pädagogik, die Vorbereitung auf das Erwachsenenleben im Kleinen und die heikleren Themen – die überlassen sie den Müttern. Nun ist eine Rollenteilung an sich nicht schlimm, aber Bärenväter vergeben die vielen Vorteile einer gemeinsamen Erziehung. So ist es für Kinder lehrreich, wenn in der Familie verschiedene Meinungen diskutiert werden, und sie profitieren davon, bei Problemen zwei Ansprechpersonen zu haben.

Was den historischen Vergleich von mir und meinem Vater angeht: Ich bin da etwas vorsichtig mit einer Bewertung. Er hat in den 80ern und 90ern eine durchaus zeitgemässe Vaterrolle wahrgenommen. Ich wiederum erhalte heute grundsätzlich Zustimmung für die Art, wie ich meine Vaterrolle ausübe. Aber es ist gut möglich, dass Beebers und der Brecht im Erwachsenenalter einmal sehr viel kritischer auf meine Vaterschaft zurückblicken. Ich bin gespannt, was für ein Tier ich dabei sein werde.

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