Switzerland

Anti-WEF-Demo in Zürich legt Tramverkehr lahm

Das World Economic Forum in Davos erhitzt diese Woche die Gemüter. Das lag nicht zuletzt auch an der Anwesenheit von US-Präsident Trump und der aktuell brennenden Aufmerksamkeit für das Thema Klimaschutz. Trump verliess heute, einen Tag nach seiner Ankunft, die Schweiz schon wieder. Das WEF jedoch läuft noch bis zum Ende der Woche weiter.

Bis Freitag diskutieren noch die Mächtigsten der Welt: Politiker, Wirtschaftsbosse und Lobbyisten. Dieses Gipfeltreffen dieser elitären Kreise stösst einigen ordentlich auf. In Davos laufen parallel zum WEF grosse Demonstrationen, und auch in Zürich machen die Gegner des World Economic Forum ihrem Ärger Luft. «Züri gäge WEF» nennen die Organisationen den Protestzug.

Am Marsch beteiligen sich zahlreiche Familien, aber auch Vermummte. Bild: Daniel Pfeifer

Hunderte Demonstranten haben sich um 18 Uhr auf dem Helvetiaplatz versammelt, um gegen «Scheinheiligkeit», «Klima-Ignoranz» und «die Ausbeutung des globalen Südens» zu protestieren. Vom Helvetiaplatz aus zogen sie, begleitet von einem grossen Polizeiaufgebot, weiter in Richtung Sihl. Unter ihnen sind Familien, Klimaaktivisten, Frauenrechtler und Vermummte.

Feuerwerk auf Strasse, ÖV beeinträchtigt

Einige Demonstranten zündeten Feuerwerkskörper, auf der Strasse wurde zudem ein Feuer entfacht. Die Polizei setzte einen Wasserwerfer ein.

Laut den VBZ sind mehrere Tramlinien beeinträchtigt. Es kommt zu Unregelmässigkeiten und Umleitungen auf den Linien 2, 3, 8, 9 und 14. Auch die Buslinie 32 ist betroffen.

Auf den Gleisen wurde ein Feuer entfacht. Bild: Daniel Pfeifer

Protest gegen Industriegiganten und Trump

Die generelle Idee der Demo: «Gemeinsam wollen wir unsere Kämpfe verbinden und gemeinsam gegen das WEF protestieren.» Es geht ihnen nicht nur um die Veranstaltung selbst mit den immensen Kosten, mageren Ergebnissen und der schlechten CO2-Bilanz. Es geht dem Aktionsbündnis zum 50. Jubiläum des WEF auch um die Ausbeutung armer Staaten durch den «globalen Norden» und Firmen wie Nestlé, Glencore oder UBS, um die Vorherrschaft alter Männer unter den WEF-Teilnehmern internationaler Unternehmen.

Demonstranten zündeten Petarden, die Polizei steht im Einsatz.

Zwar übernehmen die Leitung dieses Jahr die Zürcher Juso und die Jungen Grünen, jedoch sollen Parteigrenzen keine Rolle spielen. Auch Organisationen wie Greenpeace, das Bündnis für Sozialismus sind vor Ort.

Das Thema Umweltschutz bestimmte schon das World Economic Forum selbst und nimmt nun auch in der Demo einen prominenten Platz ein. In Solidarität mit der Klimajugend rund um Greta Thunberg in Davos nimmt auch Climate Strike teil. «Züri gäge WEF» soll jedoch, das betonen die Organisatoren stark, keine Gegenveranstaltung zu den Demos vor Ort sein.

Die Polizei hielt sich zunächst im Hintergrund. Bild: Daniel Pfeifer

Letztes Mal kamen Wasserwerfer

Den Protestzug gegen das WEF gibt es bereits seit vielen Jahren. Auch 2018 gingen die Demonstranten mit ihren kreativen und oft ziemlich derben Protestschildern US-Präsident Trump persönlich an. Und im vergangenen Jahr war eine Demo unter demselben Namen zur gleichen Uhrzeit am Helvetiaplatz gestartet. Damals aber noch nicht unter der Leitung von Juso und Grünen.

2019 war ein gewaltiges Polizeiaufgebot vor Ort, inklusive Wasserwerfern. Aufseiten der Demonstranten waren Vermummte mit Pyrotechnik unterwegs. Dieses Jahr, so Juso-Sprecher Nathan Donno, solle es «familienfreundlich» ablaufen.

Dieses Jahr hatte das Bündnis die Demonstration auch bewilligen lassen und hielt sich an eine festgelegte Demonstrationsroute. Nach der Bewilligung der Demonstration wurde das Polizeikontingent der Stadtpolizei Zürich um rund 100 Polizisten erhöht, um die Demo zu begleiten.