Switzerland

«Anti-Masken-Propaganda tötet» - vom medialen Missbrauch eines Gewaltdelikts

Fake-News, voreilige Schlüsse und Verschwörungstheorien sind in der Corona-Krise ein grosses Problem. Manchmal auch in seriösen Medien, wie der Fall eines getöteten Busfahrers in Frankreich zeigt.

Von «Maskengegnern» getötet? Am 8. Juli fand in Bayonne (FR) der Trauermarsch für Philippe M. statt.

Von «Maskengegnern» getötet? Am 8. Juli fand in Bayonne (FR) der Trauermarsch für Philippe M. statt.

Boris Sensamat /imago

Der Fall sorgte Anfang Juli auf der ganzen Welt für Entsetzen: Im französischen Bayonne verletzten junge Männer den Busfahrer Philippe M. nach einem Streit derart schwer, dass er wenige Tage später starb. Während der französische Innenminister von einer «absolut abscheulichen, unaussprechlichen Tat» sprach, war für viele Medien schnell klar, warum der Busfahrer sterben musste: Er hatte sich mit sogenannten Maskenmuffeln angelegt, also mit Leuten, die sich weigern, staatlich angeordnete Massnahmen gegen Covid-19 zu befolgen.

«Mein Mandant hat nichts gegen Masken»

«Weil er seine Fahrgäste aufforderte, Masken zu tragen, prügelten sie auf ihn ein», so berichtete «Spiegel Online»; «Busfahrer stirbt, weil Männer keine Masken tragen wollten», erfuhren auch die Leser Schweizer Tageszeitungen, und die Boulevardpresse zeigte sich wie immer besonders kreativ: Mit Begriffen wie «Maskenverweigerer» («Bild»), «Maskengegner» und «Anti-Masken-Mob» («Blick») suggerierte sie, dass die Tat politisch motiviert gewesen sei.

Dieses Narrativ passte zwar perfekt in die medialen Diskussionen über «Covidioten», Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker, die oft von Pauschalisierungen und Dämonisierungen geprägt sind. Ob es in Bayonne wirklich um «Maskengegner» ging, durfte indes von Anfang an bezweifelt werden. Die Verdächtigen waren laut einem Bericht der Zeitung «Le Parisien» als Pöbler bekannt; ebenso hatten sie keine gültigen Fahrscheine dabei, als sie in den Bus stiegen.

Der Anwalt des Hauptverdächtigen, Maître Thierry Sagardoytho, drückt es auf Anfrage der NZZ so aus: «Mein Mandant hat überhaupt nichts gegen Masken. Er hatte an jenem Tag schlicht keine in der Tasche.» Auf Videoaufnahmen ist laut Sagardoytho zu sehen, dass auch andere Passagiere ohne Maske fuhren, von Philippe M. jedoch in Ruhe gelassen wurden. Was genau passiert ist, wird gerichtlich zu klären sein.

Selbst wenn man bedenkt, dass die französischen Behörden sehr zurückhaltend informierten und so Spekulationen befeuert haben könnten, ist es kaum die Aufgabe von Journalisten, politische Motive zu konstruieren, wo es ihnen gerade passt. Zumal sich die Medien gerade jetzt als Bollwerk gegen Fake-News und Verschwörungstheorien positionieren (müssten).

Volksverpetzer entlarven sich selber

Vollends absurd wird es, wenn sich selbsternannte Faktenprüfer als Superspreader für ideologisch motivierte Behauptungen betätigen. Das zeigt der deutsche Blog «Volksverpetzer», der nach dem Motto «keine Demokratie ohne Fakten» gegen Fake-News und «populistische Narrative» kämpft. Im Fall Bayonne wussten die mehrfach preisgekrönten Blogger noch mehr als alle anderen, wer die eigentlichen Schuldigen waren: rechtsextreme Corona-Leugner.

«Diese Gewalt», so schrieben sie, «kommt von dieser Propaganda, dieser irrationalen Weigerung, eine Maske zu tragen.» Titel: «Anti-Masken-Propaganda tötet». Als Quelle geben die angeblichen Spezialisten für «Lügen, Verwirrung und Manipulation» einzig einen Bericht der ARD an, der jedoch keinerlei Hinweise darauf enthält, dass die Täter von Corona-Leugnern verhetzt worden sein könnten. Das alles wäre unwichtig, wenn der «Volksverpetzer» bei manchen Journalisten nicht als seriöse Quelle gelten würde, etwa bei «Watson». Dort wurde der Blog von einer Kriminalpsychologin empfohlen - als Mittel gegen Verschwörungstheoretiker.

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