Switzerland

Angst vor neuen Superspreader-Events: Wie sich Handel und Behörden auf die Rabattschlacht am Black Friday vorbereiten

Der Black Friday mit dem Getümmel an den Wühltischen passt schlecht in die Corona-Zeiten. Viele Geschäfte verstärken deshalb ihre Schutzkonzepte – und hoffen auf mehr Online-Kunden. In Basel sind gar die Behörden aktiv geworden.

Ohne Maske geht am diesjährigen Black Friday gar nichts. Viele Geschäfte versuchen, die Kunden online anzulocken.

Ohne Maske geht am diesjährigen Black Friday gar nichts. Viele Geschäfte versuchen, die Kunden online anzulocken.

Jean-Christophe Bott / Keystone

«Stellen Sie schon mal den Wecker!», bewirbt M-Electronics die grosse Black-Friday-Rabattschlacht Ende dieser Woche – und kündigt Sonderangebote im Online-Shop «und in über 100 Filialen an». Kundinnen und Kunden werden animiert, als Erste vor den Türen der Geschäfte zu stehen, um «die volle Auswahl zu haben». Auch andere Mode-, Elektronik- oder Warenhäuser laden ihre Kundschaft kaum verhohlen dazu ein, die Läden zu stürmen – und das in Zeiten nach wie vor hoher Zahlen bei Ansteckungen durch Covid-19.

Der Black Friday gehört seit einigen Jahren zu den wichtigsten Shopping-Ereignissen im Jahr. 2015 wurde der Aktionstag durch die Warenhauskette Manor erstmals in die Schweiz gebracht. Seither haben sich Hunderte von Geschäften angeschlossen. Die Kundschaft macht begeistert mit. Auch in diesem Jahr hoffen laut einer Umfrage mehr als die Hälfte der Befragten auf ein Schnäppchen.

Problematisches Massen-Shopping

Der Black Friday erlaubt es, das Weihnachtsgeschäft in den November vorzuverlegen. Übervolle Shoppingmeilen gehören seither zum gewohnten Bild am letzten Freitag im November. Bloss: Corona-tauglich erscheint das damit verbundene Getümmel nicht. Die Gesundheitspolitikerin und SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi mahnt: «Dieses Massen-Shopping ist aktuell sehr problematisch, weil so zu viele Menschen aufs Mal ins Geschäft gelockt werden.»

Die Regierung des Kantons St. Gallen, der momentan hohe Zahlen bei den Ansteckungen verzeichnet, rief die Bevölkerung diese Woche dazu auf, «beim Einkaufen das Risiko klein zu halten». Im Kanton Basel-Stadt, wo seit Anfang Woche ein einschneidender Teil-Lockdown mit geschlossenen Restaurants, Bars und Theatern gilt, gibt das Gesundheitsdepartement gar aktiv Gegensteuer. Seit Dienstag sucht es das Gespräch mit den Direktionen von mehreren grossen Warenhäusern, Shopping-Malls und Elektronik-Anbietern. Sie müssen aufzeigen, welche Massnahmen sie zur Einhaltung der maximalen Kundenzahl in den Läden geplant haben.

Besonderen Wert legt die Behörde auf das Gedränge am Eingang und vor den Shops: «Uns ist wichtig zu sehen, wie die Schutzmassnahmen bei einer allfälligen Warteschlangen-Bildung vor den Geschäften sichergestellt werden», erklärt Anne Tschudin, Sprecherin des Departementes, auf Anfrage der NZZ. Weil im benachbarten Frankreich bis am Samstag noch immer viele Geschäfte geschlossen sind, könnten am Freitag viele Kunden auf die Schweiz ausweichen.

Zusätzliches Sicherheitspersonal

Wie eine Umfrage der NZZ bei verschiedenen Ladenketten zeigt, sind sich zumindest die grossen Detailhändler der potenziellen Gefahr bewusst und verlagern die Schnäppchenjagd so stark wie möglich ins Internet. Wo dies nicht funktioniert, wird versucht, die Kundenfrequenzen zu limitieren. So bei der Elektronikkette Media Markt: «Wir haben entsprechend Sicherheitspersonal aufgeboten, ein Leitsystem mit Bodenmarkierungen wird für genügend Abstand in den Warteschlangen sorgen, und eine digitale Einlasskontrolle wird vermeiden, dass sich zu viele Kunden auf einmal in einem Markt aufhalten», sagt Sprecherin Stella Zeco.

Ausserdem hätten VIP-Klub-Kunden bereits am Mittwoch Gelegenheit, einen ganzen Tag lang in den Märkten in aller Ruhe Angebote zu Black-Friday-Preisen zu shoppen. «Mit dieser Massnahme und den verlängerten Öffnungszeiten hoffen wir, den Andrang auf die Märkte besser verteilen zu können», betont Zeco.

Bei der Migros, zu der auch die eingangs erwähnten M-Electronics-Shops gehören, geht man von einem «problemlosen» Tag aus, wie Sprecher Marcel Schlatter sagt. «Die Migros verfügt über sehr gute und mittlerweile bewährte Schutzkonzepte.» Auch am Black Friday werde der Zugang zu den Ladenflächen gemäss der Covid-19-Verordnung des Bundes beschränkt sein.

Bei Manor heisst es, man habe sich über mehrere Wochen intensiv auf das «Shopping-Ereignis» vorbereitet. So seien an den neuralgischen Punkten nochmals 30 Prozent mehr Plexiglaswände montiert worden. Zudem verteilt Manor den Black Friday auf drei Tage, ausnahmsweise selbst in den umsatzstärksten Produktkategorien Kosmetik und Damenmode. Zu einer Kanalisierung der Kundenströme soll beitragen, dass zwei Drittel der Manor-Warenhäuser am Abend länger offen haben. Wird der Andrang dennoch zu gross, beschränkt das Ordnungspersonal an den Eingängen den Einlass.

Corona und Weihnachtsstress belastet Personal doppelt

Das Corona-Schutzkonzept des Verbandes Swiss Retail Federation sieht vor, dass die Besucher von Supermärkten, Läden und Shoppingcentern den Abstand von 1,5 Meter einhalten sollen. Aus diesem Grund ist nur ein Kunde pro vier Quadratmeter Ladenfläche erlaubt. Doch wenn die Schnäppchen an einigen wenigen Stellen im Laden konzentriert sind oder es gar Wühltische gibt, kommt es schnell zu einem Gerangel. Die Warenhäuser von Manor verfügen im Schnitt über eine grosszügige Fläche von 7000 Quadratmetern. Das bedeutet aber auch, dass weit über 1000 Personen sich gleichzeitig dort aufhalten dürfen. Und auch in den Eingangszonen ist das Geschehen teilweise nur schwer kontrollierbar.

Bei der Gewerkschaft Unia, die die Angestellten des Detailhandels vertritt, richtet sich der Blick sorgenvoll auf die kommenden Wochen. «Der Black Friday ist das Tor zu einer unglaublichen stressigen Zeit für das Personal», erklärt Mediensprecherin Leena Schmitter. «Der Druck durch die Pandemie ist ohnehin gross, und jetzt müssen die anstrengenden Verkaufstage vor Weihnachten und Neujahr bewältigt werden.» Das ständige Arbeiten mit Hygienemaske und die Kontrolle, ob die Kunden sich an die Schutzkonzepte halten, bringe eine Mehrbelastung mit sich. «Unia fordert daher zusätzliche Pausen. Nicht nur für das Verkaufspersonal, sondern auch für die Angestellten der Logistik, die ebenfalls einer grossen Belastung ausgesetzt sind», sagt Schmitter.

SP-Nationalrätin Gysi fände es sinnvoller, die Aktionen zeitlich zu verteilen oder generell darauf zu verzichten. Auf diese Forderung gehen die Detailhändler aus nachvollziehbaren Gründen ebenso wenig ein wie auf die Idee, die Schnäppchen ausschliesslich online anzubieten. Dennoch ist die grosse Mehrheit der Anbieter bemüht, den diesjährigen Black Friday so Corona-konform wie möglich über die Bühne zu bringen. Unter allen Umständen wollen sie vermeiden, dass ihr Event zum Superspreader-Anlass wird – so wie das unrühmlich in Erinnerung gebliebene Jubiläum des Shoppingcenters Tivoli im aargauischen Spreitenbach Ende Oktober.

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