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Am Golf sitzt die Angst vor Iran tief – warum eigentlich?

Aus Angst vor Iran suchen arabische Golfstaaten die Nähe zu Israel – ihrem einstigen Erzfeind. Die Furcht vor dem grossen Nachbarn im Osten hat tiefe historische Wurzeln und gründet auch im mangelnden Selbstvertrauen der Araber.

Das Unbehagen gegenüber Iran hat sich seit der amerikanischen Invasion des Iraks im Jahr 2003 ständig vertieft.

Das Unbehagen gegenüber Iran hat sich seit der amerikanischen Invasion des Iraks im Jahr 2003 ständig vertieft.

Leonhard Foeger / Reuters

Die Machtbalance am Persischen Golf ist im Ungleichgewicht – gerade bei den Bevölkerungszahlen. Auf der einen Seite liegt Iran mit über 80 Millionen Einwohnern. Auf der anderen Seite zählt Saudiarabien lediglich 34 Millionen, wobei ein Drittel von ihnen ausländische Arbeitskräfte sind. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sind sogar nur 10 Prozent der 10 Millionen Einwohner eigene Staatsbürger. Diese ungleichen Grössenverhältnisse sorgen bei Irans arabischen Nachbarn seit langem für Unbehagen. Die Furcht ist mittlerweile so gross, dass einzelne Golfstaaten offen die Allianz mit Israel gegen Teheran suchen. So haben Bahrain und die Emirate ihre Beziehungen mit dem Judenstaat kürzlich normalisiert. Und selbst in Saudiarabien wird dieser Schritt erwogen.

Das Unbehagen gegenüber Iran hat sich seit der amerikanischen Invasion des Iraks im Jahr 2003 ständig vertieft. Mit dem Sturz des sunnitisch dominierten Regimes von Saddam Hussein und der Einführung eines demokratischen Regierungssystems übernahmen Vertreter der schiitischen Bevölkerungsmehrheit die Macht in Bagdad. Damit geriet das Zweistromland unter iranischen Einfluss und wurde zu einem Teil von Teherans schiitischer «Achse des Widerstands», die über Syrien und die libanesische Hizbullah-Miliz bis ans Mittelmeer reicht. Saudiarabien hatte die USA vor den negativen Folgen einer Invasion und dem Zerfall des Saddam-Regimes gewarnt. Washington serviere Teheran den Irak auf einem goldenen Tablett, kritisierte der saudische Aussenminister Prinz Saud al-Faisal 2005.

Der politische Islam erschüttert die Golfmonarchien

Als Auslöser des Kalten Krieges am Persischen Golf gilt jedoch die Islamische Revolution in Iran im Jahr 1979. Ihr Anführer, Ruhollah Khomeiny, wollte nicht nur den Shah stürzen, sondern auch die übrigen mit den USA verbündeten Monarchien und Regime im Nahen Osten. Der Ayatollah hatte früh eine tiefe Abneigung gegen die saudische Königsfamilie entwickelt und anerkannte sie nicht als würdige Hüterin über die heiligen Stätten des Islams in Mekka und Medina. In seinem Buch «Kashf al-Asrar» («Die Enthüllung der Geheimnisse») schrieb Khomeiny bereits 1945: «Die Kameltreiber von Riad sind die berüchtigtsten und wildesten Mitglieder der Menschheit.»

Bis zur Islamischen Revolution fürchteten die konservativen Monarchien im Nahen Osten vor allem eine von linken arabischen Regimen orchestrierte sozialistische Unterwanderung. Doch nun wurde ein revolutionärer Islam plötzlich zu einem mächtigen politischen Faktor. Nicht nur die schiitische Minderheit, sondern auch die sunnitische Mehrheitsbevölkerung in der muslimischen Welt feierte zunächst Khomeinys Triumph gegen das von den USA und Israel unterstützte säkulare Shah-Regime.

Hinzu kam, dass zwei weitere Ereignisse die saudische Monarchie im Schlüsseljahr 1979 erschütterten: Am 20. November besetzten bis zu 500 sunnitische Extremisten die Grosse Moschee in Mekka, wo sich Tausende von Gläubigen zum Morgengebet versammelt hatten. Ihr Anführer warf dem saudischen Königshaus vor, sich dem Westen anzudienen, die Muslime zu korrumpieren und die Religion für den eigenen Machterhalt zu missbrauchen. Inspiriert durch die iranische Revolution, brachen praktisch gleichzeitig Proteste der unterdrückten schiitischen Minderheit im erdölreichen Osten von Saudiarabien aus. Die Demonstranten hielten Khomeiny-Porträts in den Händen und forderten mehr Rechte.

Als Reaktion auf diese zwei Ereignisse machte das saudische Königshaus zuvor getroffene Schritte der Modernisierung rückgängig, um jeglichen Zweifel an der eigenen Frömmigkeit aus dem Weg zu räumen. Unter anderem durften Frauen keine Fernsehsendungen mehr moderieren. Der Klerus erhielt viele Milliarden, um die wahhabitische Staatsreligion – eine fundamentalistische Richtung des sunnitischen Islams – national und international zu propagieren. In den Augen der Wahhabiten sind die Schiiten allesamt gottlose Ketzer. Die Ideologie eignet sich deshalb perfekt, um die Islamische Revolution im mehrheitlich schiitischen Iran zu verteufeln.

Iran war die Grossmacht, Saudiarabien der Juniorpartner

Während das Jahr 1979 die verschärften ideologischen Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten in der Region erklärt, reicht die Angst der Golfstaaten vor Iran weiter zurück. Nicht die Araber, sondern die Türken und Perser dominierten in den vergangenen Jahrhunderten den Nahen Osten. Das mehrheitlich schiitische Bahrain etwa stand lange Zeit unter persischer Herrschaft. Bis heute erinnern iranische Politiker hin und wieder daran, dass der kleine Inselstaat eigentlich eine iranische Provinz sei. Nach dem Abzug der britischen Kolonialmacht eroberten Truppen des Shahs 1971 zudem mehrere Inseln in der Strasse von Hormuz, die bis heute von den Emiraten beansprucht werden.

«Iran war unter dem Shah während des Kalten Krieges die militärische Grossmacht im ganzen Nahen Osten», erklärt der Nahost-Experte Toby Matthiesen, der derzeit an der London School of Economics ein Forschungsprojekt zum Einfluss der iranischen Revolution auf sunnitische Islamisten leitet. «Die kleinen Golfstaaten waren damals noch britische Protektorate und wurden erst langsam unabhängig. Auch Saudiarabien war noch schwach», meint Matthiesen. «Der Minderwertigkeitskomplex und die Angst vor Iran als grosser Regionalmacht gehen auf diese Zeit zurück.»

Im Grunde waren Iran und Saudiarabien damals beide Verbündete der USA. Doch im Kampf gegen den Kommunismus war Riad nur der Juniorpartner. «Der Shah hat mit Nixon und Kissinger die ganze Region von Afrika bis Asien neu geordnet», sagt Matthiesen. Mit der Islamischen Revolution und Irans internationaler Isolation änderte sich diese geopolitische Konstellation komplett. Saudiarabien stieg am Persischen Golf zum unabdingbaren Partner der USA auf, Iran wurde zum Schurkenstaat degradiert.

Mindestens so sehr wie einen atomar bewaffneten Iran fürchten einige Golfstaaten eine Rückkehr Teherans als gleichberechtigter und wirtschaftlich erstarkter Akteur auf der internationalen Bühne. «Sie haben nicht das Gefühl, dass ein gemeinsamer Wirtschaftsraum allen hilft», meint Matthiesen. Vielmehr fürchteten sie einen relativen Machtverlust. Dies scheint zumindest teilweise zu erklären, warum etwa Saudiarabien oder die VAE genau wie Israel das Atomabkommen mit Iran vehement ablehnten und die Sanktionen der USA gegen Teheran begrüssten, obwohl sie damit das Risiko iranischer Aggressionen eingingen. «Die Golfstaaten sind bereit, für harte wirtschaftliche Massnahmen gegen Iran etwas mehr Risiko einzugehen, aber alle wollen einen Krieg in der Region verhindern», sagt Elana DeLozier vom Washington Institute for Near East Policy.

Auch wenn sie eine militärische Konfrontation mit Iran fürchten, liegt eine latente Konfrontation mit internationaler Unterstützung im Interesse der Golfstaaten. Sie garantiert zum einen die engen Beziehungen zu den USA, zum anderen stützt der antischiitische Diskurs die Regime in Saudiarabien oder Bahrain auch innenpolitisch. Das Schreckgespenst einer von Iran geschürten Revolte rechtfertigt die Einschränkung der Bürgerrechte. So schrieb die Journalistin und Nahost-Expertin Kim Ghattas: «Die schmerzhafte Wahrheit für Saudiarabien ist: Es braucht das iranische Regime, um zu überleben.»

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