Switzerland

Altersheim-Geschäftsführer Rotzetter: «Besuche müssen weiterhin erlaubt sein»

Andre Rotzetter machen die rasant steigenden Coronazahlen doppelt Sorgen. Zum einen, weil damit auch das Risiko grösser ist, dass ein Coronafall in einem der beiden Alterszentren des Vereins für Altersbetreuung im oberen Fricktal (VAOF) auftritt.

«Bislang ist weder in Frick noch Laufenburg ein Bewohner erkrankt», sagt der Geschäftsführer. Da sei sicher auch «eine gehörige Portion Glück» dabei, räumt Rotzetter ein. «Viel dazu beigetragen hat aber unser Schutzkonzept, das sich absolut bewährt hat.» So konnten auch Krankheitsfälle im Umfeld der Angestellten rechtzeitig abgefangen werden.

Wenige Coronafälle in Pflegeheimen

Sorgen macht Rotzetter aber auch der Mittwoch. Denn der Bundesrat gibt bekannt, mit welchen zusätzlichen Massnahmen er die Coronapandemie in den Griff bekommen will. Eine Option dabei ist, was erste Kantone bereits umgesetzt haben: die Alters- und Pflegeheime erneut zu schliessen. «So weit darf es nicht nochmals kommen», sagt Rotzetter. Man sei weiter als im Frühling, habe heute funktionierende Schutzkonzepte und «kenne Covid-19». Die Pflegeheime seien auch gut unterwegs und hätten nur wenige Coronafälle.

Setzen auf spezielles Schutzkonzept

«Eine absolute Sicherheit gibt es ohnehin nicht», sagt Rotzetter. Es sei immer eine Güterabwägung zwischen Schutz und Lebensqualität. Letztere dürfe man nicht ausser Acht lassen. Funktioniere ein Schutzkonzept, «so sollen die Bewohner auch weiterhin Besuch empfangen dürfen».

Der VAOF setzt dabei auf ein spezielles Schutzkonzept. Zusammen mit Samsung und der Firma OOQI hat der Verein eine Corona-App entwickelt. Die Smartwatch zeichnet per Bluetooth auf, wer sich in den Alterszentren wie bewegt und wer, wem, wie lange näher als zwei Meter kommt. «Dadurch können wir mögliche Ansteckungsketten innert Minuten nachvollziehen und unterbrechen.»

Test verlief erfolgreich, die Uhr wird eingeführt

Das bietet einen doppelten Vorteil: Die Reaktionszeit ist kurz – und es müssen nur jene Bewohner und Mitarbeiter in Quarantäne, die Kontakt mit einem Infizierten hatten. Da ein Zugriff auf die Daten ausschliesslich im Coronafall und auch dann nur von einer Handvoll Kadermitarbeitenden möglich ist, sei auch der Datenschutz jederzeit gewährleistet, sagt Rotzetter.

«Ohne die Uhr müsste bei einem Coronafall das ganze Alterszentrum oder zumindest eine ganze Abteilung für 14 Tage in Quarantäne.» Das belaste nicht nur die Bewohner, sondern bringe auch das Personal ans Limit.

Persönlicher Code für Besucher und Angestellte

Die Testphase im Alterszentrum Bruggbach in Frick ist erfolgreich verlaufen, ab November sind die Uhren in beiden Zentren im Einsatz. Rotzetter ist überzeugt: «Das System bringt allen – Bewohnern, Besuchern wie auch Angestellten – einen enormen Mehrwert.»

Während die Bewohner eine persönliche Uhr bekommen – der VAOF hat insgesamt 480 Uhren geordert –, erhalten Besucher und Angestellte einen persönlichen Code, den sie beim Eintritt ins Heim in eine Uhr eingeben und diese so lange tragen, wie sie im Alterszentrum unterwegs sind.

Teilnahme bleibt freiwillig

Von den Angestellten und Bewohnern der beiden Zentren weiss Rotzetter: Sie machen alle mit. Und obwohl die Teilnahme freiwillig ist, rechnet Rotzetter auch bei den Besuchern nicht damit, dass sie sich weigern.

Natürlich bleibe die Teilnahme für alle freiwillig, betont Rotzetter. Aber: «Macht jemand nicht mit, müssen bei einem Coronafall in einem der Alterszentren jene Bewohner, die Besuch ohne Contact-Tracing hatten, 14 Tage in Zimmerquarantäne bleiben.»

1850 Besucherpässe sind im Umlauf

Zum Schutz von Angestellten und Bewohnern sind beide Alterszentren für die Öffentlichkeit seit dem Frühling geschlossen. Den Angehörigen werden Besucherpässe ausgehändigt; derzeit sind es 1850 Pässe. Die Angehörigen unterzeichnen im Gegenzug eine Schutzvereinbarung, in der sie unter anderem erklären, dass sie im Zentrum eine Schutzmaske tragen, dass sie nur dann vorbeikommen, wenn sie sich gesund fühlen, und dass sie bei privaten Feiern Schutzmassnahmen umsetzen.

Rotzetter ist mit der Disziplin der Besucher «grundsätzlich zufrieden». «98 Prozent halten sich an die Vereinbarungen», bilanziert er. Aber eben: Zwei Prozent tun es nicht – «und gefährden damit ihre eigenen Angehörigen sowie alle Bewohner und Mitarbeitenden». Das sei «absolut unverantwortlich», enerviert sich der Geschäftsführer und erinnert daran, dass die Sterblichkeit bei alten Menschen «30 bis 50 Prozent betragen kann».

Der VAOF hat nun auf die «schwarzen Schafe», wie es Rotzetter nennt, reagiert und hält in einem Brief an die Angehörigen, der in diesen Tagen verschickt wird, unmissverständlich fest: Wer sich nicht an die Schutzmassnahmen hält, verliert den Besucherpass. Holt jemand einen Bewohner an eine private Feier und kommt aus, dass an dieser Schutzmassnahmen fehlten, «muss der betroffene Bewohner für 14 Tage in Zimmerquarantäne».

Angehörige bekommen digitale Hausschlüssel

Allen, die sich an die Vereinbarung halten und auch bereit sind, beim Besuch eine Uhr zu tragen, will der VAOF in den nächsten Wochen digitale Hausschlüssel abgeben. Sie können mit diesen in den offiziellen Besuchszeiten zwischen 10 und 16.30 Uhr selber in die Alterszentren, deren Türen ansonsten für Aussenstehende geschlossen bleiben.

«Die digitalen Schlüssel erleichtern beiden Seiten die Situation», ist Rotzetter überzeugt. Die Besucher können so selbstständig agieren, die Alterszentren müssen nicht mehr dauernd einen Mitarbeitenden abstellen, «der quasi als Türöffner fungiert». Diese Ressourcen «haben wir auf Dauer nicht», so Rotzetter.

Jeder verhinderte Fall «ist eine gute Nachricht»

Und wenn sich ein Besucher nicht am Contact-Tracing beteiligt? «Dann müssen wir den Zugang aus Ressourcengründen auf eineinhalb Stunden pro Tag begrenzen», so Rotzetter. Ausserhalb dieser Zeit sei aber natürlich ein Treffen im geschützten Aussenbereich «jederzeit möglich».

Rotzetter glaubt nicht, dass der VAOF solche Einschränkungen erlassen muss. «Es liegt doch im Interesse aller, dass wir so glimpflich wie möglich durch die Coronakrise kommen.» Jeder verhinderte Coronafall «ist eine gute Nachricht». Und von solchen könne man in der heutigen, sorgenvollen Zeit nicht genug haben.

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