Switzerland

Alt-Bundesrat Kaspar Villiger wehrt sich gegen den Mitwisser-Vorwurf

Das Gerücht, dass Schweizer Behörden inklusive dem Bundesrat über die Verbindungen zwischen der Crypto AG und dem amerikanischen und deutschen Nachrichtendienst informiert waren, gibt es schon seit den 90er Jahren. Nun gibt es offenbar erstmals Beweise. Ein CIA-Papier, das der Rundschau des SRF vorliegt, bezeichnet den ehemaligen Verteidigungsminister Kaspar Villiger als Mitwisser.

Der FDP-Magistrat stand von 1989 bis 1994 dem Eidgenössischen Militärdepartement (EMD) vor. Gemäss der Rundschau hatte Villiger (FDP) Kenntnisse darüber, dass die Crypto AG den beiden Geheimdiensten gehörte und auch über die Operation Rubikon. Trotz moralischer Bedenken habe der FDP-Bundesrat die Sache unter den Tisch gewischt: «Villiger wusste, wem das Unternehmen gehörte, und fühlte sich moralisch verpflichtet, dies offenzulegen», heisst es im CIA-Papier. Doch Villiger habe nichts unternommen: «Offensichtlich hat Villiger den Mund gehalten.»

Villiger wehrt sich gegen die Unterstellungen

Villiger weist die Vorwürfe vehement zurück. Er schreibt auf Anfrage: «Ich war in diese nachrichtendienstliche Operation nicht eingeweiht. Handlangerdienste für Drittstaaten, die den Ruf der Schweiz als verlässlich neutrales Land beschädigen können, hätte ich niemals gedeckt und auf jeden Fall im Bundesrat zur Sprache gebracht. Wer und was auch immer hinter den CIA-Notizen zu meiner Person stecken mag: sie stimmen in dieser Form nicht, denn eine detaillierte Information über die neutralitätspolitisch problematische Übungsanlage hätte mich alarmiert und zur Information des Bundesrates veranlasst.»

Weiter schreibt Villiger, dass er heute davon ausgehen muss, dass er während seiner Amtszeit «nicht hinreichend informiert» worden sei. Mit anderen Worten: Er könnte von seinen Mitarbeitern hintergangen worden sein.