Switzerland

Als ein «Fluch» über den Häfen lag: 83 Boote in der Zürichsee-Region wurden abgefackelt

Noch ist die Ursache nicht bekannt, weshalb vergangene Woche am späten Dienstagabend in Küsnacht sieben Boote im Hafen brannten. Ein Schiff versank, die anderen wurden zum Teil schwer beschädigt. Aber ein Satz im Communiqué der Kantonspolizei schreckt alle Bootsbesitzer auf: «Nach bisherigen Erkenntnissen kann eine Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden.»

Das weckt Erinnerungen an ein düsteres Kapitel Kriminalgeschichte an der Goldküste. Ein Feuerteufel trieb fast zwei Jahre lang sein Unwesen am rechten Zürichseeufer. Ein 28-jähriger Mann aus dem Bezirk Meilen zündete 83 Boote an und verursachte dabei Schäden in der Höhe von zwei Millionen Franken.

Den «Falschen» verhaftet

Am 6. Dezember 1997 begann die unheimliche Serie. In Stäfa wurde eine Motorjacht zerstört. Der Sachschaden von rund 120'000 Franken wurde noch im selben Monat übertroffen. In der Nacht auf Silvester loderten die Flammen entlang des Ufers von Stäfa bis Uetikon, zwölf Boote fielen dem Brandstifter zum Opfer. In Männedorf griff das Feuer sogar auf eine benachbarte Scheune über, die völlig eingeäschert wurde. Der Schaden dieser Nacht belief sich auf über eine Million Franken.

Am frühen Sonntagmorgen des 15. März 1998 schlug der Brandstifter erneut zu. Ein Dutzend Schiffe in Meilen, Zollikon und Tiefenbrunnen ging in Flammen auf. Nur zwei Tage später brannten in der Nacht auf den 17. März wieder fünf Boote, diesmal im Hafen Zürich-Enge. Dort konnte ein 36-jähriger Mann festgenommen werden. Er gestand diese Brandstiftung, wollte aber mit den übrigen Fällen nichts zu tun gehabt haben. Er sollte recht behalten, denn die Feuerserie ging weiter. Am 26. Juni wurden im Rapperswiler Hafen drei Motorboote angezündet und zerstört. Die schlimmste Nacht erlebte das rechte Seeufer aber am 9. August. An sechs Stellen zwischen Obermeilen und Herrliberg brannten insgesamt 35 Boote.

Immer wieder entwischt

Die Polizei schien ein Phantom zu jagen. Dabei war sie dem jungen Mann während seines teuflischen Treibens mehrmals dicht auf den Fersen. Jedes Mal schlüpfte er durch die Fahndungsmaschen, die von der Polizei und auch von den Feuerwehren des Bezirks Meilen gemäss einem Alarmierungsdispositiv aufgestellt wurden. Es schien «ein Fluch über der Region» zu liegen, wie es ein Bootsbesitzer damals treffend ausdrückte. Auch die Freizeitkapitäne hatten sich unterdessen organisiert und Wachen in den Häfen postiert.

Am späten 2. Oktober 1998 schnappte die Falle zu. Wieder brannten neun Boote in Männedorf und Stäfa, als die Polizei einen Velofahrer anhalten konnte. Sie nahm ihn unter dringendem Tatverdacht fest, auch weil er den Behörden bereits bekannt war. Im Laufe der Vernehmungen wurden Indizien gefunden, die den Tatverdacht erhärteten. Doch ein Geständnis legte der Mann nicht ab, auch hieb- und stichfeste Beweise fehlten. Daraufhin entliess der Haftrichter den Verdächtigten gesetzeskonform nach drei Tagen.

Nach dieser Fahndungsenttäuschung kehrte für einige Zeit Ruhe ein. Doch am 28. Oktober – der Brandstifter hatte unterdessen wieder zugeschlagen und neun weitere Boote angezündet – war der Spuk zu Ende. In einem Meilemer Lokal konnte ein 28-Jähriger kurz nach seinem letzten Anschlag verhaftet werden. Es war derselbe Mann, der schon ein Jahr zuvor der Polizei in die Hände geraten war.

«Er schien beinahe befreit»

Diesmal gestand er und schien beinahe befreit, seine Schuld zugeben zu können, wie der damalige Statthalter Ueli Hofmann gegenüber den Medien berichtete. Vor dem Bezirksgericht Meilen wurde der Täter dann zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, ausgesetzt wegen einer dringlichen stationären Behandlung seiner Krankheit in einer psychiatrischen Klinik.

Schliesslich wurde der Täter wieder in Freiheit entlassen. Für den Brand der Boote in Küsnacht vom letzten Dienstag kommt er allerdings, selbst wenn es Brandstiftung war, sicher nicht infrage. Der Mann wurde später rückfällig, verübte erneut Brandstiftungen – und setzte seinem Leben ein Ende.

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