Switzerland

Alle hassen Zürich – oder doch nicht?

Laut einer neuen Studie werden Zürcherinnen und Zürcher auch von aussen fast nur positiv wahrgenommen. Aber so recht glauben mögen das nicht alle. 

Ziiri isch toll und aifach glatt.
Isch in dr Schwyz die scheenschti Stadt.
Ziircher sind gscheit und voll Esprit.
Und dasch e Väärs mit Fake-News gsii.
(Käller-Assle)

Der Anti-Zürich-Reflex hat Tradition, ganz besonders in Basel. Aber vielleicht ist er auch dort nicht mehr ernst und schon gar nicht bös gemeint – und lebt nur in den Schnitzelbänken jeweils wieder auf, als lautes und vielstimmiges Echo auf einen einst so hochgehaltenen Zwist.

Die Zürcher seien arrogant, hört man nicht nur zur Fasnachtszeit aus der Stadt am Rheinknie. Diesen Ruf haben wir eigentlich in der ganzen Schweiz – und sind heimlich auch ein wenig stolz darauf. Schliesslich wird man nicht ohne Grund zum Feindbild auserkoren. Zürich ist die grösste Schweizer Stadt, hat die Banken und den Flughafen. Die beste Oper und die höchste Klubdichte. Das Radio- und Fernsehstudio. Das Landesmuseum und die Durchmesserlinie. Und natürlich den See. Da wundert es einen eigentlich nicht, dass all dies bei den andern Minderwertigkeitskomplexe auslöst.

Jetzt aber behauptet eine neue Image-Studie, dass Zürich auch von aussen durchweg positiv gesehen werde. Im Rahmen des Projektes «Zürich Einblicke von aussen» hat die Stadtentwicklung der Stadt Zürich diese Aussenwahrnehmung untersuchen lassen. Dabei wurden frühere Bevölkerungsumfragen rezykliert, Journalisten und Partner der Stadt Zürich, wie etwa andere Stadtverwaltungen, oder Interessenverbände befragt. Das Ergebnis: eine Lobeshymne auf gut dreissig Seiten. Anna Schindler, die oberste Zürcher Stadtentwicklerin, sagt dazu: «Ich war sehr überrascht, dass die Studie eine derart positive Wahrnehmung von Zürich gezeigt hat – ich habe fest mit dem Anti-Zürich-Reflex gerechnet.»

Wo ist der Anti-Zürich-Reflex geblieben? Gibt es ihn wirklich nicht mehr? Und woher kam er eigentlich? Eine Spurensuche.

Früher eng und dreckig, heute offen und mondän

Die Abneigung gegen Zürich hat eine lange Tradition – ihre Wurzeln reichen zurück bis ins Mittelalter. Im 14. Jahrhundert sollen Räuber aus dem Elsass Zürcher Handelsleute überfallen und deren Waren in Strassburg und Basel verkauft haben. Daraufhin sollen Zürcher hundert Basler und siebzig Strassburger gefangen genommen haben. So steht es in der Schweizer Geschichte des Historikers Johannes von Müller aus dem Jahre 1787. Ein Handelskrieg zwischen den beiden Städten konnte gerade noch verhindert werden.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein stand Zürich allerdings noch nicht derart im Fokus wie heute. Es war ein kleines Städtchen an der Limmat, das sich seiner verwinkelten, engen und dreckigen Gassen schämte. Um 1800 hatte es etwa 10 000 Einwohner, um 1850 um die 17 000. In Genf lebten damals schon 31 000 Personen, in Basel 27 000. 

In wenigen Jahrzehnten krempelten die Zürcher dann aber ihre Stadt richtiggehend um. Ganze Quartiere mussten schönen neuen Bauten Platz machen, die Bahnhofstrasse und mehrere Brücken entstanden. Und aus der engen Stadt am Fluss wurde die offene, mondäne Stadt am See. Wenigstens in baulicher Hinsicht könne man nun mit Genf konkurrieren, hiess es im Zusammenhang mit der Eröffnung der neuen Quaianlage.

Zürich wurde bald zur Spinne in der Mitte des neuen Eisenbahnnetzes. Wirtschaftliche und politische Macht ballte sich in der Stadt – und in der Person von Alfred Escher, der den Aufstieg Zürichs wie kein anderer beförderte, im Alter aber auch immer offener angefeindet wurde. Ferdinand Stadler, ein damals angesehener Zürcher Architekt, hatte schon Pläne gemacht für ein Bundeshaus neben dem «Baur au Lac». Schliesslich aber machte Bern das Rennen als «Sitz der Bundesbehörden», wie man das vorsichtshalber nannte. Zürich blieb nur die Rolle als heimliche Hauptstadt.

Und gewissermassen als Trostpreis erhielt Zürich die ETH und vierzig Jahre später, nach langem Ringen, das Landesmuseum. Der Ständerat hatte sich für Zürich ausgesprochen und beharrte darauf, der Nationalrat hielt ebenso unbeirrt an Bern als Standort fest. Ein beispielloses Hin und Her begann – bis der Nationalrat schliesslich einlenkte. 1898 wurde das heute meistbesuchte historische Museum der Schweiz eröffnet.

Und es gibt ihn doch . . .

In der Boomzeit der sechziger Jahre wurde Zürich definitiv zum wirtschaftlichen Zentrum der Schweiz, zum «Wasserkopf», wie es Kritiker nannten. Der Aufbau von Strassen- und Schienensystemen förderte die Entwicklung zusätzlich. Und immer zahlte die Eidgenossenschaft mit – wenn auch mit zunehmendem Murren.

Alle gegen Zürich – das sei heute noch so, sagt die Zürcher SP-Nationalrätin Min Li Marti. «Der Anti-Zürich-Reflex geht durch alle Parteien durch.» Die gebürtige Bernerin, die in Olten aufgewachsen ist, nimmt das als Kompliment. Mit 37 Parlamentariern stellt Zürich die grösste Delegation im Bundeshaus. Trotzdem sei es manchmal schwierig, Zürcher Anliegen zu vertreten. Die Dominanz schüchtere ein, sorge für Gegenreaktionen. 

Ganz verschwunden scheint der Anti-Zürich-Reflex also nicht zu sein – auch wenn er zumindest teilweise einem Stadt-Land-Graben gewichen sein dürfte. Die Stadtentwicklerin Anna Schindler sagt: «Die Zukunft wird metropolitaner, Städte werden immer wichtiger, da muss Zürich mit Städten wie Bern und Basel am gleichen Strang ziehen, damit die Position der Städte gegenüber dem Bund gestärkt wird.»

Manchmal befeuern Zürcherinnen und Zürcher die Antipathie aber auch ganz direkt. 2004 etwa sorgte die Zürcher SVP für einen Aufschrei in der Restschweiz. «Schuften für die Faulen?», fragte die Volkspartei auf Plakaten, die einen schwitzenden Zürileu zeigten, wie er den faulen Berner Bären im Wägelchen den Berg hinaufzog. Es ging um den Finanzausgleich, in den Zürich massiv einzahlt und Bern in ebenso starkem Ausmass profitiert. Das Sujet geistert seither immer wieder auf Twitter und Facebook herum, aufgewärmt von eifrigen SVP-Kantonsräten.

In Bern versucht man derweil, das Klischee vom arroganten Zürcher zu durchbrechen. «Was du nie sagen darfst, ist: ‹In Zürich machen wir es so und so›», sagt Min Li Marti. Da gelte es das eigene Selbstbewusstsein zurückzustellen und den Ton zu mässigen. Und auch mal Französisch zu sprechen. «Wir Zürcher gelten als die Deutschen der Schweiz – direkt und leistungsorientiert.»

«Züritüütsch» wirkt positiv

Mit der Effizienz und Leistung verbindet man denn auch den Zürcher Dialekt. In einer Studie der Universität Zürich haben Sprachwissenschafter herausgefunden, dass sich das «Züritüütsch» der Kandidatinnen und Kandidaten bei Vorstellungsgesprächen positiv auf die Wahrnehmung der Arbeitgeber auswirkte. Claudia Bucheli Berger, die ebenfalls zu Dialekten forscht, sagt: «Die Mundart ist ein wichtiger Teil der Identität einer Person und das Erste, was jemand anderes von uns wahrnimmt.» Während man Bündnerdeutsch mit positiven Ferienerinnerungen und Berndeutsch mit Mani Matter verbinde, assoziierten viele den Zürcher Dialekt mit Business.

Dass die «Zürischnurre» nicht überall auf Sympathien stösst, zeigt die Anekdote einer Bekannten. Als ihre Familie in den achtziger Jahren von Adliswil nach Kriens in Luzern zog, musste sie sich so manchen blöden Spruch von Mitschülern gefallen lassen. Männliche Primarschulkameraden bastelten gar ein «Typisch Züri»-Fähnchen, das sie hochhielten, sobald sie dem Lehrer eine Antwort gab. Die Jahre in Luzern hinterliessen Spuren: Die Zürcherin passte ihren Dialekt an. 

Umgekehrt verdrängt das «Züritüütsch» aber auch andere Dialekte, wie eine Studie von Bucheli Berger und Adrian Leemann zeigt. Die Wissenschafter führen das auf die Grösse des Kantons und auf das vermehrte Pendeln zurück. «Manch einer hat vielleicht das Gefühl, die Zürcher seien überall – und liegt damit gar nicht so falsch.» Mindestens als kaufkräftige Kunden sind die Zürcher allerdings in allen Feriendestinationen willkommen.

Im Rahmen des Projektes «Zürich – Einblicke von aussen» werden drei öffentliche Veranstaltungen organisiert. Die erste findet in der kommenden Woche im Aargau statt: Am Dienstagabend, 25. Februar, 19 Uhr 30, laden die Stadtentwicklung Aarau und Zürich in die Aarauer Aeschbachhalle 6 ein. Der Aarauer Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker, die Zürcher Stadtentwicklungsdirektorin Anna Schindler, der Buchser Einwohnerrat Reto Fischer sowie Melanie Morgenegg, Leiterin Abteilung Kultur Stadt Aarau, diskutieren mit dem Publikum über die Frage, wie grosse und kleinere Städte mehr voneinander lernen und profitieren können. Die Bühnenpoetin Patti Basler sorgt dafür, dass auch der Humor nicht zu kurz kommt.

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