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Adobe Photoshop ist 30 – warum das (fast) kein Grund zum Feiern ist đŸ€š

Das abgewandelte Adobe-Logo: Der australische Fotograf Adam Marsh hat Anfang Jahr mit seiner Photoshop-Kritik in ein Wespennest gestochen. screenshot: petapixel.com

Kommentar

Adobe Photoshop ist 30 – warum das (fast) kein Grund zum Feiern ist đŸ€š

Das Programm, das fĂŒr Bildbearbeitung steht, ist auch ein Beispiel dafĂŒr, was bei Quasi-Monopolisten schief lĂ€uft. Ein Rant mit einem Happy-End.

Adobe Photoshop ist 30.

Dass ich ĂŒber das bekannte Bildbearbeitungsprogramm schreibe, hat mit einem kĂŒrzlich gehörten Beitrag auf Radio SRF1 zu tun. Eine gefĂŒhlt endlose und unkritische Lobbeshymne fĂŒr eine ziemlich fragwĂŒrdige Software.

Hier kommt nun – in der gebotenen KĂŒrze – mein Rant, warum 30 Jahre Photoshop nicht nur Grund zum Feiern ist.

Photoshop ist wie WhatsApp

Viele glauben, nicht darauf verzichten zu können. Dabei scheitert das Wechseln zu alternativen Programmen hauptsĂ€chlich an unserer eigenen Bequemlichkeit. 😏

Monopole sind NIE gut fĂŒr die Konsumenten

Microsoft ist mit seinem Windows-Betriebssystem und der Office-Software das Paradebeispiel fĂŒr einen Quasi-Monopolisten. Wenn ein Unternehmen dermassen gross und mĂ€chtig wird, ist der Wettbewerb beeintrĂ€chtigt. Punkt. Das gilt auch fĂŒr Adobe – die Dominanz zeigt sich nur schon daran, dass Photoshoppen das Synonym fĂŒr Bildbearbeitung ist.

Quasi-Monopole mögen fĂŒr die AktionĂ€re eintrĂ€glich sein, den Schaden haben wir Steuerzahler und Konsumenten. Stattdessen sollten wir eine Vielfalt von Anbietern anstreben und vor allem Open-Source-Software fördern.

Das Abkassier-, Àh Abo-Modell

Was tun Unternehmen, um mit dem gleichen Produkt noch mehr von seinen Kunden zu kassieren? Richtig, statt das Produkt zu verkaufen, wird es nur noch vermietet. Oder auf Englisch: Welcome to the Business Model from Hell.

Und jetzt rate, wann Adobe das Abomodell einfĂŒhrte ...

screenshot: google

Auf den ersten Blick ist das Abo-Modell verlockend, weil die Kunden keine (im direkten Vergleich) teureren Einzel-Lizenzen bezahlen mĂŒssen. Dazu gibts Online-Speicher, um die Dateien bequem und sicher in der Cloud zu speichern.

Die Schattenseite dieses Lock-in-Effekts zeigte sich im vergangenen Oktober in Venezuela. Nachdem die US-Regierung Wirtschafts-Sanktionen verhĂ€ngte gegen das lateinamerikanische Land, musste Adobe ankĂŒndigen, dass sĂ€mtliche Nutzerkonten gesperrt werden mĂŒssten.

Wenn der König Fett ansetzt

Viele professionelle Nutzer mĂŒssen die Software-Lizenzen nicht bezahlen, das ĂŒbernimmt der Arbeitgeber. Von einigen ist die Kritik laut geworden an Adobe, dass das Unternehmen zu wenig auf seine wichtigsten Kunden höre.

Photoshop ist MarktfĂŒhrer und bietet zweifelsohne ein bestechend gutes Gesamtpaket an. Doch tragen die einseitigen MachtverhĂ€ltnisse nicht unbedingt zu einer stetigen Verbesserung der Software bei, wie Kritiker bemĂ€ngeln.

Wenn der Wettbewerb hart sei, zwinge er ein Unternehmen dazu, mehr Ressourcen in Forschung und Entwicklung (R&D) zu investieren und einen tieferen Profit zu akzeptieren, argumentiert der australische Blogger Adam Marsh. Dies habe man bei frĂŒheren Photoshop-Versionen gesehen:

«Adobe musste wirklich hart an der Entwicklung neuer Funktionen fĂŒr jede Iteration von Photoshop arbeiten, von [Version] 2 bis 3 bis 5 bis 6. Zu diesem Zeitpunkt waren sie am besten.»

Kundendienst?

Über den Support, den Adobe aus KostengrĂŒnden in ferne LĂ€nder ausgelagert hat, liessen sich BĂ€nde schreiben.

Aufschlussreicher Hashtag: #CancelAdobe

WillkĂŒrliche PreisĂ€nderungen, fehlende Transparenz

Adobe stand wÀhren seiner 30-jÀhrigen Regenschaft mit Photoshop immer mal wieder wegen der undurchschaubaren Preispolitik in der Kritik.

Bekanntermassen fĂŒhrt das Unternehmen auf seiner Website A-B-Tests mit unterschiedlichen Preisen durch, was fĂŒr Besucher nicht nachvollziehbar ist. Zudem variierten die Preise je nach Kontinent massiv. Weil EuropĂ€er mehr bezahlen sollten als Amerikaner, gab es sogar politische Vorstösse.

Bei der Lancierung 2013 verlangte das Unternehmen 10 US-Dollar pro Monat fĂŒr das Creative-Cloud-Bundle, das neben Photoshop auch Online-Speicher beinhaltete. 2019 verschwand das Angebot plötzlich, nun sollten die Kunden das doppelte bezahlen, also 20 Dollar pro Monat. (das ursprĂŒngliche Angebot mit 9.99/Monat existiert immer noch).

Mac-User haben das Nachsehen

Adobe und Apple – das ist eine Hassliebe.

Am 19. Februar 1990 wurde Photoshop 1.0 exklusiv fĂŒr den Apple Macintosh veröffentlicht. bild: versionmuseum.com

Nun kursieren Online-Petitionen, die von Adobe fordern, bei den Mac-Versionen von Photoshop und Co. nachzubessern, damit die Programme besser laufen unter macOS.

Im Oktober 2019 bestÀtigte Adobe KompatibilitÀtsproblemen bei Photoshop und bei Lightroom mit dem neuen macOS Catalina. User sollten mit dem Update warten.

PS: Es dauerte unendlich lange, bis Photoshop auch als mobile Software fĂŒr das iPad verfĂŒgbar war. Und die ersten Versionen waren alles andere als begeisternd.

Flash

Adobe Systems Inc. hat der Welt nicht nur Photoshop beschert, sondern auch die Animations-Software Flash. Das entsprechende Browser-Plugin war wegen seiner vielen SicherheitslĂŒcken massgeblich beteiligt an der weltweiten Verbreitung von Malware.

Und das Positive?

Das sind natĂŒrlich die epischen Photoshop-Battles und die Fails, ĂŒber die wir uns köstlich amĂŒsieren können. Darum von meiner Seite trotz aller Kritik: Happy Birthday!

Penisse in bekannten Firmenlogos? Ja, das geht

PS: Was sind die besten Photoshop-Alternativen?

Jetzt bist du gefragt! Womit bearbeitest du am liebsten und erfolgreichsten digitale Fotos? Lass uns deinen Favoriten via Kommentarfunktion wissen. Gerne auch mit Link, falls es sich um einen unbekannten Herausforderer handelt.

Mein Vorschlag schliesst sich dem von Adam Marsh an: Wer es nicht kennt, sollte Affinity Photo ausprobieren.

Oder wie wÀr's mit:

Und fĂŒr kleinere Foto-Tasks gibt's dieses kostenlose Online-Tool:

Quellen

Wenn dich diese Photoshop-Bilder nicht aus den Socken hauen, dann wissen wir auch nicht

Sogar die Influencerinnen lĂŒgen uns frech an!

Open Source Software (OSS) vs. Microsoft, Windows und Co.

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