Switzerland

Abgang des Unverstandenen 

Was für ein Kontrast: Als Ende Januar die UBS ihre Jahreszahlen präsentierte, kamen nur wenige Journalisten zur Ergebnispräsentation. Als am Donnerstag der scheidende Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam zum letzten Mal vor die Medien trat, war der blau bestuhlte Saal bis auf wenige Plätze besetzt. Ganz vorne in der ersten Reihe hatte fast die komplette Geschäftsleitung Platz genommen. Nur Asien-Chef Helman Sitohang war in Singapur geblieben. 

In seinen knapp fünf Jahren an der Bankspitze hat sich Thiam als Bankmanager einen Namen gemacht, der auch mal aus der Haut fährt, selbst vor den Medien. Würde er seinen letzten Auftritt für eine Generalabrechnung nutzen? In Selbstmitleid versinken? Das Publikum war gespannt. 

Betont unaufgeregt

Pünktlich um Viertel nach zehn betritt der Protagonist den Saal. Thiam eröffnet seine Ausführungen betont unaufgeregt. «Okay, let’s start with the results», beginnt er und rattert eine Folienpräsentation herunter. Die ist von Erfolgen gespickt: Von 2016 bis 2019 hat die Bank 121 Milliarden Franken neue Kundengelder gewonnen, 13 Quartale in Folge gingen die Kosten runter und die Einnahmen rauf. Doch Stolz oder Freude verströmt Thiam nicht, er nuschelt wie immer. Und wirkt fast gelangweilt.

Emotionaler wird es erst, als er für seinen Nachfolger Thomas Gottstein das Podium freimacht. «Ich möchte Tidjane Thiam danken, der ein inspirierender CEO war, mit starkem strategischem Denken und einem Führungsstil, der stehts von Partnerschaft und Professionalismus geprägt war», lobt Gottstein und legt noch einen drauf: «Ich habe das Privileg, ihn einen Freund nennen zu dürfen, auch wenn er Anhänger von Arsenal London ist.» Mit diesem Satz entlockt er Thiam sogar einen kurzen Lacher. 

Keine schlechte Stimmung

Die Message ist klar: An der Spitze der Credit Suisse gibt es trotz der Beschattung durch Privatdetektive zweier ehemaliger Geschäftsleitungsmitglieder keine schlechte Stimmung. Es gibt kein Kulturproblem. Diesen Punkt betont Gottstein im Anschluss an die Medienkonferenz auch explizit im Einzelgespräch mit Journalisten.

Es folgt die Fragerunde: Ob Thiam etwas im Rückblick bereue, lautet die erste Frage. Wenn man eine komplexe Organisation wie die Credit Suisse führe, gäbe es immer etwas, was man besser hätte machen können, antwortet Thiam. «Wie ich bereits erklärt habe, bedaure ich die jüngsten Ereignisse», sagt er und spricht damit das einzige Mal an diesem Tag die Beschattungsaffäre an, die ihn am Ende das Amt kostete. 

Aber sonst? Thiam ist mit sich im Reinen. Als er wegen des Einbruchs der Märkte Ende 2015 ziemlich schnell seine Strategie habe anpassen müssen, habe es viel Spott und Häme gegeben, erklärt er. «Aber wenn sich die Lage ändert, muss man den Plan ändern», fügt er an. Also alles richtig gemacht.

«Der Verwaltungsrat hat so entschieden. Mein Job ist, das umzusetzen.»Tidjane Thiam

Der Korrespondent der «Financial Times», die ihm lange die Stange gehalten hatte, will von ihm wissen, warum er eigentlich zurücktrete, wenn er doch mit der Beschattungsaffäre nichts zu tun habe. «Der Verwaltungsrat hat entschieden, dass es einen Wechsel in der Bankführung geben muss. Mein Job ist, das umzusetzen», gibt Thiam stoisch zurück. 

Geschenkt, dass Thiam bis zum Schluss um seinen Job gekämpft hat und dafür seine Unterstützer bei den US-Aktionären mobilisierte. Allen voran David Herro, den wortgewaltigen Anlagechef von CS-Grossaktionär Harris Associates. Herro hatte dem Verwaltungsrat vor dessen entscheidender Sitzung offen mit Konsequenzen gedroht, sollte die Bankspitze es wagen, Thiam abzusetzen. Seitdem ist von Harris allerdings nichts mehr zu hören. 

«Ich erhole mich erstmal»

Ein Journalist des Westschweizer Fernsehens will von Thiam wissen, ob er glaube, dass er mit seinem Führungsstil letztlich nicht in die Schweiz passe. Er könne nicht sagen, was die Schweiz allgemein über ihn denke, so Thiam . «Ich habe jede Sekunde mein Bestes gegeben», entgegnet er mit ruhiger Stimme. Was tönt wie: Wenn die Schweiz einen erfolgreichen CEO trotz guter Resultate und ohne persönliche Schuld an einer zweitrangigen Affäre absetzt, ist sie selbst schuld. Für mehr Nachfragen bleibt keine Zeit, geschickt hat die Regie die Fragerunde auf eine knappe Viertelstunde begrenzt. Der letzte Auftritt soll ja nicht noch ausser Kontrolle geraten.  

Was bleibt von der Ära Thiam? Unbestritten steht die Bank heute solider dar als bei seinem Amtsantritt. Aber vielleicht war sein grosses Missverständnis, dass es für seine Beurteilung nur auf Zahlen und Ergebnisse ankommt. Was er in Zukunft mache, das wisse er noch nicht. «Freitag gehe ich, dann erhole ich mich erst mal», sagt Thiam. Und geht. 

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