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Aargauische Kantonalbank glänzt mit neuen Rekorden – so viel soll der Kanton erhalten

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat letztes Jahr mit 147,5 Millionen Franken den zweithöchsten Gewinn in ihrer bisherigen Geschichte erwirtschaftet. Dank neuer Anlagekunden erreichten die Depotwerte ein Allzeithoch von über 13,2 Milliarden Franken. Offenen Krediten von 23 Milliarden Franken stehen Deckungswerte von 42 Milliarden Franken gegenüber. Dies gaben Bankratspräsident Dieter Egloff und Direktionspräsident Dieter Widmer an der Jahresmedienkonferenz der AKB in Aarau bekannt. Inzwischen verfügt die Bank, die zu 100 Prozent dem Kanton Aargau gehört, über Eigenmittel von 2,4 Milliarden Franken. Auch die Kundenvermögen sind auf einem neuen Höchststand. Sie kletterten um 13 Prozent auf neu 28,6 Milliarden Franken.

«Wir sind stolz auf dieses sehr gute Ergebnis und deuten es als Vertrauensbeweis, dass sich viele neue Kunden für die AKB entschieden haben», sagte Direktionspräsident Widmer. Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft habe sich um 5,3 Millionen Franken auf 70,8 Millionen Franken erhöht, hielt er fest. Zudem habe die Bank ihre Eigenkapitalausstattung weiter ausgebaut und stelle damit sicher, «dass sie auch unter allfällig verschärften Bedingungen ihre Geschäftstätigkeit erfolgreich fortsetzen kann». Die langfristig umsichtige Risikopolitik zahle sich aus. Die AKB sei mit einer Kernkapitalquote von 17,9 Prozent so kapitalstark wie noch nie, sagte Widmer.

Beantragte Ausschüttung: 66 Millionen für den Kanton

Besonders interessieren dürfte vor diesem Hintergrund, wie viel Gewinn die Bank ihrem Besitzer, dem Kanton Aargau, ausschütten will. Für 2018 waren es 60 Millionen Franken, diesmal beantragt sie zehn Prozent mehr, nämlich 66 Millionen Franken. Darüber entscheiden wird letztlich der Grosse Rat. Ein Blick auf die Grafik zeigt: Dies ist deutlich weniger als noch vor zwei Jahren. Warum das, obwohl die AKB doch eben erst den zweithöchsten Gewinn ihrer Geschichte realisiert hat?

Die Auflösung des Rätsels ist, dass die AKB im Einverständnis mit dem Kanton ihre Reserven bis 2022 freiwillig um weitere 120 Millionen Franken aufstocken will. Dies, weil sie erwartet, dass künftig höhere Eigenmittelanforderungen gelten werden. Bekanntgegeben wurde dies schon vor einem Jahr. Die Idee ist, in den Geschäftsjahren 2018 bis 2021 zusätzlich je 30 Millionen Franken auf die hohe Kante zu legen. Tatsächlich konnte die AKB jetzt schon zum zweiten Mal einen höheren Betrag in diese freiwillige Gewinnreserve einzahlen als geplant. Sie seien ihrer eigenen Marschtabelle etwas voraus, sagt Direktionspräsident Widmer.

Bis Ende 2021 soll Klarheit über künftige Vorschriften bestehen

Könnte es also sein, dass die Bank, die für 2020 wieder einen hohen Gewinn von rund 150 Millionen Franken erwartet, früher am Ziel ist als geplant, sodass sie die Gewinnausschüttung an den Kanton schon früher als geplant wieder deutlich steigern könnte? Die Ausschüttungen bespreche man jeweils mit der Regierung, wobei das Parlament das letzte Wort habe, sagt Widmer einleitend, und: «Aus heutiger Sicht schliesse ich nicht aus, dass wir unter Umständen ein Jahr früher als geplant wieder eine Ausschüttung in der Grössenordnung wie vor 2019 von 90 Millionen Franken vornehmen können».

Ob und wie die Vorschriften verschärft werden, dazu erwartet Dieter Widmer Klarheit bis Mitte/Ende 2021. Was aber, wenn sich bis dann gar nichts ändert? Für diesen Fall stünde schon fest, was mit den 120 Millionen Franken der AKB geschieht. Finanzdirektor Markus Dieth sagte dazu vor Jahresfrist gegenüber der AZ: «Zeichnet es sich ab, dass entgegen den Erwartungen ein kleinerer Eigenkapitalbedarf notwendig ist, wird die freiwillige Gewinnreserve zu Gunsten einer Sonderausschüttung an den Kanton aufgelöst.»

Die beantragte Gewinnablieferung liegt gegenüber dem Vorjahr also 10 Prozent höher und beträgt 66 Millionen Franken. Zusammen mit dem gesamten Kapitalaufbau von 109 Millionen Franken, den Steuern von 8 Millionen Franken und der Abgeltung der Staatsgarantie von 12 Millionen Franken hat die Bank für die Bürgerinnen und Bürger des Kantons Aargau letztes Jahr einen direkten Mehrwert von insgesamt 195 Millionen Franken erwirtschaftet, wie die AKB errechnet hat.

Mit oder ohne Staatsgarantie? – Debatte wohl schon am 3. März

Besonders gespannt dürfte man in der AKB-Führung und auch bei den anderen Kantonalbanken sein, welche Entscheide der Grosse Rat wohl schon am 3. März (voraussichtlich am gleichen Tag, an dem die Debatte über das hoch umstrittene neue Energiegesetz stattfindet) zur Zukunft der Bank fällen wird. Vor einigen Wochen sorgte bekanntlich die vorberatende Kommission des Parlaments mit einem knappen Mehrheitsentscheid für grosses Aufsehen. Demnach soll die Aargauische Kantonalbank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und die Staatsgarantie abgeschafft werden. Der Ausgang der Debatte im Kantonsparlament ist völlig offen.

Aus Banksicht könne man sich zu den laufenden Diskussionen nicht äussern, sagte Bankratspräsident Dieter Egloff amDienstag vor den Medien. Er dankte jedoch dem Regierungsrat «für seine fundierte Auslegeordnung in der 65-seitigen Botschaft an den Grossen Rat». Darin begründe der Regierungsrat eingehend, weshalb es für den Kanton Aargau als Eigentümer der Bank am sinnvollsten sei, die AKB in der heutigen Form, das heisst als selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt mit Staatsgarantie, weiterzuführen. Bankrat und Geschäftsleitung der AKB könnten die Schlussfolgerungen des Regierungsrates gut nachvollziehen «und erachten die Ausführungen in der Botschaft als sehr ausgewogen und informativ», so Bankratspräsident Egloff.