Switzerland

Aarau-Pechvogel Miguel Peralta: Das ist der ärmste Fussballer der Schweiz

«Sobald ich sie nicht mehr brauche, verbrenne ich sie.» Miguel Peralta spricht von seinen Krücken, auf die er einmal mehr angewiesen ist. Zum sechsten Mal innert sechs Jahren. Freundschaft scheint der Aarau- Kicker mit den Dingern nach wie vor nicht geschlossen zu haben: «Das bin nicht ich.»

An diesem schönen Spätsommermorgen kommt ein sehr fröhlicher und entspannter Miguel Peralta in die Aarauer Altstadt zum Interview­termin. Sieht so jemand aus, der zum vierten Mal die Diagnose Kreuzbandriss erhalten hat? Und das mit gerade einmal 24 Jahren? Ende Juli gegen GC, ein unglücklicher Zweikampf beschert Peralta Kreuzbandriss Nummer vier.

Der Aarauer Flügelstürmer strahlt es nicht nur aus, er sagt auch: «Es geht mir gut.» Auch wenn man es in Anbetracht seines erneuten Rückschlags kaum glauben kann, man kauft es ihm ab. Es sei ihm auch nie schlecht gegangen, «weil mir mehr als je zuvor bewusst wurde, dass es Menschen gibt, die von heute auf morgen mit einer unheilbaren Krankheit aufwachen. Und jetzt soll es mir schlecht gehen, nur weil ich einige Monate ausfalle? Ich glaube, das wäre nicht richtig.» Eine starke Haltung, der einige Schicksalsschläge vorausgehen.

Erstes Mal mit 18

Im Alter von 18 Jahren – «alles war in einem Hoch», schwärmt Peralta. «Da waren wir noch in den Aufstiegsspielen mit Baden und ich erhielt meinen ersten Profivertrag bei Aarau.» Das war sein ganz grosser Traum.

Nur eine Woche später kommt jedoch alles anders. Kreuzbandriss lautet die Diagnose. Der erste von vier. «Das hat mich kaputt­gemacht. Da hatte ich noch ein anderes Denken. Da war Fussball alles für mich.» Und heute? Drei Kreuzbandrisse und zwei Meniskusschäden später? «Viel, extrem viel, aber nicht alles. Heute weiss ich, es gibt so viel wichtigere Dinge. Gesundheit, Familie, Freunde, Liebe – das ist unbezahlbar.»

Die Entstehung dieser Denk­weise hat aber seine Zeit gebraucht. Erst nach dem dritten Kreuzbandriss 2018 und der Hilfe eines Mentaltrainers zieht Peralta auch Positives aus diesen Schicksalsschlägen. «Ich habe ihn kontaktiert, als ich nach der letzten Verletzung nicht mehr schlafen konnte», gesteht der 24-Jährige. «Und durch die Gespräche mit ihm hats plötzlich klick gemacht. Ab diesem Moment gings bergauf. Das Grösste, was er mir beigebracht hat, ist die Selbstliebe.» Ein schwieriges Thema, findet der Stürmer. «Aber es macht dir Türen zu dir selber auf, die unvorstellbar sind.»

Aufstieg als Ziel

Auch eine sogenannte Motivationswand in seinem Zimmer hilft Peralta. Darauf sind Sprüche zu finden, mit denen er sich identifizieren kann. So auch sein Favorit: «Alles kommt im Leben so, wie es muss».

«Ich habe das für mich he­rausgefunden und lebe es jetzt auch, dass alles im Leben aus einem gewissen Grund passiert.» Sind die zahl­reichen Verletzungen etwa ein Zeichen, dem Fussball den Rücken zu kehren? «Es wäre komplett gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nie ans Aufgeben gedacht hätte. Aber am Schluss hat das Zurückkämpfen immer die Überhand genommen», sagt der Aarauer.

So auch jetzt. Auch wenn Peralta, wie er selbst sagt, seine Ziele nach dem zweiten Kreuzbandriss abgelegt hat, bleibt der Traum: «In meiner Stadt mit meinem Verein aufzusteigen. Das wäre das Grösste.» Der Physio-Termin folgt auf unseren und ist wegweisend, um körperlich wieder so fit zu werden wie vor der Verletzung. Ebenso wie das Laufen an den geduldeten Krücken ...

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