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3 mit Sex: «Wir haben beide den Orgasmus gefakt»

Ich stehe dazu: Wenn es mir zu lange dauert im Bett, wenn ich spüre, dass meine Vagina wund wird, ich mich langweile (sonst noch jemand hier, der schon mal während dem Sex Primzahlen aufgezählt hat?) oder mir der Schweiss meines Liebhabers in die Augen tropft, täusche ich einen Orgasmus vor.

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Hast du schon mal einen Orgasmus vorgetäuscht?

Nicht besonders feministisch

Der Effekt ist jedes Mal erstaunlich: Der gegenwärtige Teampartner im Bettturnen intensiviert seine Bewegungen, setzt ein stolzes und gleichzeitig etwas verbissenes Grinsen auf (das Grinsen bedeutet: Ich bin der Geilste, sie ist gekommen! Aber auch, Gopf, sie war zuerst!) und spritzt ab. Bäm, Ziel erreicht, Sex zu Ende, endlich wieder Entspannung für meine Beine. Und bevor ich euch, liebe Leserinnen, verrate, wie ich das mache, an dieser Stelle ein kleiner feministischer Disclaimer.

Weil natürlich ist es nicht gut! Wir Frauen sollten den Orgasm Gap 2020 endlich überwunden haben und uns nur Männern hingeben, die den Unterschied zwischen einer Klitoris und einem Cranberry kennen und uns so geschickt verwöhnen, dass wir jedes Mal locker zum Höhepunkt kommen. Schaffen sie das nicht, sollen sie sich bitte sehr ein paar Youtube-Tutorials reinzwitschern und nicht noch mit einer schauspielerischen Leistung belohnt werden.

Orgasmus vortäuschen für Profis

Nur ist es in meinem Fall trotzdem manchmal so, dass ich aus den oben beschriebenen Gründen diesen feministischen Grundsatz zusammen mit meinem Höschen von mir reisse und in hohem Bogen aus dem Bett schmeisse. Und zwar – und das soll jetzt keine Anleitung zum Nachmachen sein, aber wenn ihrs brauchen könnt: you’re welcome! – mache ich das so:

• Ich bewege meine Hüften schneller, manchmal kreise ich mit ihnen auch ein bisschen. Soll ekstatisch wirken, hat mal jemand gesagt.
• Ich wechsle meine Tonlage wie ein Automotor beim Gangwechsel, lauter werden hilft immer.
• Fingernägel wahlweise in das Kissen oder in den Rücken des Mannes krallen. Tiergeräusche machen.
• Orgasmische Vaginalkontraktionen auslösen. Stell dir einfach vor, der Penis in deiner Vagina sei ein Wienerli oder eine Banane und du wolltest einen Biss nehmen. Es funktioniert!
• Nochmals einen Gangwechsel, dabei mit einem beliebigen Vokal laut ausatmen, fertig!

Und nun, liebe Männer, fühle ich mich ein bisschen schlecht. Ich mache das nur bei denjenigen Exemplaren unter euch, die ich sowieso nicht mehr treffen möchte oder zumindest nicht in horizontaler Lage. Bei denjenigen, die mir ans Herz gewachsen sind, habe ich keine Wienerli-Gedanken, ich schwöre. Ähm, pardon: Bratwurst.

Wer täuscht hier eigentlich vor?

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Eines schönen Tages lag ich mit Yannick im Bett. Alles war perfekt, Yannick roch wie Morgentau auf einem Rosenfeld, seine Haut glatt wie ein frisch poliertes iPhone-Display. Ich war verliebt und er auch und wir konnten nicht genug voneinander kriegen. Wir versenkten unsere Körper ineinander und es war Paradies – aber mein Orgasmus wollte und wollte nicht kommen.

Irgendwann griff ich zum 5-Punkte-Plan, und als ich bei Stufe 3 war, fragte mich Yannick, ob wir gleichzeitig kommen wollten. Ich nickte atemlos, ging von Punkt 4 in kürzester Zeit zu Punkt 5 über, und als ich laut aufstöhnte, tat Yannick dasselbe. Kurz darauf lagen wir nebeneinander in den Kissen und lächelten uns selig an.

Irgendwann später, nach einer Million Küsse, als Yannick sich verabschiedet hatte und ich mit klopfendem Herzen in meinem Zimmer zurückblieb, fiel mein Blick auf das Kondom, das Yannick neben dem Bett liegen gelassen hatte – und ich schluckte. Ich nahm das Corpus Delicti und stürmte zu Lars ins Zimmer. Als Mann, der Sex mit Männern hat, ist er in unserer WG der Fachmann für spermabezogene Expertisen. Gemeinsam durchleuchteten wir den Gummi mit seinem Handylicht, dann nahm mich Lars tröstend in die Arme. Es gab keinen Zweifel. Der Gummi war leer. Wir hatten beide geschauspielert.


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