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3.5 Millionen erschlichen: Bislang grösster Corona-Betrug-Fall der Schweiz vor Gericht

3.5 Millionen erschlichen: Bislang grösster Corona-Betrug-Fall der Schweiz vor Gericht

Vor dem Bezirksgericht Bülach ZH muss sich heute Donnerstag der ehemalige Chef der Praxiskette «Mein Arzt» verantworten. Er wollte seine schlingernde Praxiskette mit 22 Corona-Krediten sanieren und reichte dafür frei erfundene Angaben ein. Es handelt sich um den bisher grössten Corona-Betrug in der Schweiz.

Der ehemalige Chef der Praxiskette «Mein Arzt» wollte die Corona-Nothilfen ausnutzen. (Symbolbild) Bild: keystone

Im September 2020 brach die Praxiskette «Mein Arzt» zusammen, unzählige Patientinnen und Patienten standen in mehreren Kantonen plötzlich vor verschlossenen Türen, die Angestellten vor einer ungewissen Zukunft.

Dutzende Hausarztpraxen übernommen

Der Chef der Praxiskette, ein heute 47-jähriger Österreicher, tauchte ab, konnte aber in Italien verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert werden. Seit Oktober 2020 sitzt er im Gefängnis.

Der Beschuldigte hatte in den vergangenen Jahren Dutzende Hausarztpraxen in der Schweiz übernommen, die keinen Nachfolger oder keine Nachfolgerin fanden. Sein Unternehmen «Mein Arzt» liess Ärztinnen und Ärzte als Angestellte arbeiten und erledigte für sie die ungeliebte Administration.

Obwohl die Idee eigentlich gut war, steckte die Kette zunehmend in Schwierigkeiten, vor allem wegen ihrer aggressiven Expansionsstrategie. Was seine Arztpraxen erwirtschafteten, steckte der 47-Jährige direkt in den Ausbau seiner Kette, Betreibungen häuften sich. Daneben gewährte er sich auch selber Darlehen.

3.5 Millionen Franken Kredit erhalten

Als er aus den Medien erfuhr, dass der Bund wegen der Corona-Pandemie Kredite bis zu einer halben Million Franken pro Unternehmen auszahlte, sah er die Lösung für seine Probleme: Er beantragte Corona-Darlehen für 22 Praxen. Die Zahlen, die er der Credit Suisse angab, waren frei erfunden und völlig übertrieben.

Er vertraute darauf, dass die Bank-Mitarbeitenden die Anträge wegen Überlastung «unbürokratisch» abwickeln würden, sie also nicht eingehend prüfen würden. Mit den wahren Angaben hätte er nur 690'000 Franken Kredit erhalten.

So erhielt aber erhielt er 3.5 Millionen Franken – und dies obwohl seine Schieflage ursprünglich gar nichts mit der Pandemie zu tun hatte. Die Pandemie verschärfte seine Lage nur noch.

Fünf Jahre Landesverweis

Der Staatsanwalt fordert wegen mehrfacher Veruntreuung und mehrfachen Betrugs eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, von denen der Beschuldigte 10 Monate absitzen muss, was er aber fast schon erreicht hat. Er sitzt seit 243 Tagen hinter Gittern.

Die restlichen 26 Monate sollen bedingt verhängt werden, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Dazu soll der Österreicher für fünf Jahre des Landes verwiesen werden. Der Prozess findet im abgekürzten Verfahren statt. Das bedeutet, dass der Mann geständig ist und der Strafantrag der Staatsanwaltschaft zum Urteil erhoben werden dürfte.

Von den 3.5 Millionen Franken hat er erst einen Teil zurückgezahlt. Er schuldet dem Bund immer noch 3.2 Millionen Franken. (sda)

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