Switzerland

23-Jähriger steckt in Kolumbien fest: «Ausländer haben zurzeit einen schweren Stand»

Vor knapp zwei Monaten kam Oliver Sommer nach Kolumbien: «Ich wollte in erster Linie Spanisch lernen und mich auf meine Prüfungen an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Sommer vorbereiten», sagt der 23-Jährige. Nun sitzt der Management-Student in einer abgeschiedenen Finca in Guatapé fest. Zu 20 Minuten sagt er: «Uns ist jegliches Verlassen des Hauses untersagt. Zu der Finca wurde ich sogar vom Militär eskortiert.»

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Nicht mal zum Bankomaten könne man mehr gelangen, ohne von einer Militäreskorte begleitet zu werden, so Sommer. «Das Essen dürfen wir nur telefonisch bestellen. Die wenigen Lieferanten sind aber oft überlastet.»

Allgemein sei die Stimmung in der kolumbianischen Provinz sehr angespannt. «Unter den Einheimischen herrscht mittlerweile Panikstimmung, vor allem in Bezug auf ausländische Touristen.» Dabei ist der 23-Jährige extra vor dem Ausbruch des Coronavirus' von Medellín aufs Land gezogen: «Ich wollte dem städtischen Tumult entfliehen.»

«Situation ist sehr angespannt»

Für die strikten Sicherheitsmassnahmen in Kolumbien hat der Student durchaus Verständnis, wie er sagt. «Wir Ausländer haben zurzeit aber einen schweren Stand. Die Situation ist für uns momentan sehr angespannt.» So habe er von Expats gehört, dass ihnen aufgrund ihrer Herkunft medizinische Leistungen verweigert wurden. «Der Präsident hat zwar allen die gleichen Rechte eingeräumt. Die lokalen Behörden halten sich aber – zumindest im Bezug auf die Ausgangsrechte – nicht daran», so Sommer.

Um in die Schweiz zurückzukehren, wollte der 23-Jährige den von der Schweiz organisierten Flug ab Bogota nehmen. Dafür hätte er aber mit dem Auto rund acht Stunden bis zum Flughafen in Bogota fahren müssen. «Den Transport zum Flughafen muss jeder selber organisieren. Mir blieb wenig Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Zudem war es praktisch unmöglich, so kurzfristig einen vertrauenswürdigen Chauffeur für die Fahrt zu finden.» Schliesslich sei ihm die ganze Aktion zu heikel gewesen. «Das Risiko, auf dem Weg an einem polizeilichen Checkpoint oder aus anderen Gründen festgehalten zu werden, war mir zu gross.»

Dem EDA will der 23-Jährige keinen Vorwurf machen: «Sie können verständlicherweise nicht jedem Schweizer Bürger einen Jet schicken.» Er und seine Kollegen hätten sich nun auf einen längeren Aufenthalt in Guatapé eingestellt: «Ich stehe aber in ständigem Kontakt mit der Schweizer Botschaft in Bogota. Sie kümmern sich wirklich sehr gut um mich.»

Botschaft steht in Kontakt mit Schweizer Touristen

Dem EDA sind solche Fälle bekannt, wie es auf Anfrage heisst. «Die Schweizer Botschaft in Kolumbien steht laufend in Kontakt mit Schweizer Touristen, die sich bei der Vertretung oder über Travel.admin angemeldet haben und in die Schweiz zurückkehren möchten», sagt Sprecher Pierre-Alain Eltschinger.

Zudem sei die Botschaft in Bogota weiterhin kontinuierlich dran, im Rahmen seiner Möglichkeiten konsularische Unterstützung zu leisten. So habe sie zum Beispiel zahlreichen Schweizer Staatsangehörigen ein Geleitschreiben zukommen lassen, um zum Flughafen zu gelangen. «Darunter waren auch zwei Schweizer aus Guatapé, die mittels dieses Laissez-passer und einer Intervention bei der Migrationsbehörde rechtzeitig den Edelweiss-Flug in die Schweiz nehmen konnten», so Eltschinger.

(mon)

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