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17 Jahre steckten sie im Boden: Nun kriechen Milliarden Zikaden in den USA ans Tageslicht

17 Jahre steckten sie im Boden: Nun kriechen Milliarden Zikaden in den USA ans Tageslicht

Es klingt wie eine biblische Plage, aber in Wirklichkeit sind die Zikaden der Brut X harmlos: Milliarden der Insekten kriechen dieser Tage im Osten der USA aus dem Erdboden, um sich mit viel Lärm auf die Partnersuche zu machen und fortzupflanzen.

Nur alle 17 Jahre kommt es zu dem Naturspektakel, zuletzt war es 2004 so weit. Und während viele Menschen die Ankunft der Zikaden fasziniert beobachten, können andere ihren Ekel kaum unterdrücken.

Die Brut X ist zurück. Bild: keystone

Zumal viele mit Lockerung der Corona-Beschränkungen auf einen entspannten Frühling im Freien gehofft hatten. Dass bald zahllose Zikaden durch die Luft schwirren und ohrenbetäubenden Krach machen werden, dämpft die Vorfreude gewaltig. «Raus aus der Pandemie, rein in die Plage», kommentiert ein Twitter-Nutzer trocken.

Zikaden auch auf dem Nationalfriedhof

Auf dem Nationalfriedhof Arlington vor den Toren der US-Hauptstadt Washington, auf dem unter anderem der ermordete Präsident John F. Kennedy ruht, herrscht derzeit noch Stille – die Zikaden sind aber auch dort in grosser Zahl aufgetaucht.

Die Insekten mit den roten Glubschaugen schälen sich aus ihrer Jungtier-Aussenhaut, krabbeln über die bekannten weissen Grabsteine und klettern Bäume hoch. «Das ist verrückt», staunt ein Besucher.

Die Zikaden der Brut X – die verschiedenen Populationen werden mit römischen Ziffern durchnummeriert – haben das warme Wetter der vergangenen Tage abgewartet, um aus dem Boden zu kriechen.

Nach rund einer Woche beginnt dann die grosse Paarungsorgie: Die Männchen locken mit lautem Zirpen Weibchen an. Bild: keystone

Das grosse Krabbeln beginnt

Knapp 18 Grad Bodentemperatur gilt als «Faustregel», erklärt Insektenforscher Daniel Gruner von der nahe Washington gelegenen Universität des Bundesstaates Maryland. Angesichts steigender Temperaturen dürfte die Zahl der Zikaden jetzt explodieren.

Nach rund einer Woche beginnt dann die grosse Paarungsorgie: Die Männchen locken mit lautem Zirpen Weibchen an und können dabei eine Lautstärke von mehr als 100 Dezibel erreichen, das ist etwa so laut wie ein Rasenmäher.

Nach der Paarung legen die Weibchen Eier und die Zikaden sterben. Nach rund vier bis sechs Wochen ist die Invasion – eigentlich keine Invasion, weil die Zikaden heimisch sind – damit auch schon wieder vorbei.

Die Larven schlüpfen nach rund sechs bis acht Wochen, graben sich in den Boden ein und leben dort 17 Jahre lang vom Saft von Wurzeln, bevor der nächste Zyklus beginnt.

Viele Fragen und wenig Antworten

Wie die Zikaden wissen, dass 17 Jahre vergangen sind, ist übrigens eine Rätsel. «Wir haben darauf keine einfachen Antworten», sagt Entomologe Grunder. «Auf diesem Gebiet wird aktiv geforscht.»

Schwer zu sagen ist auch, wieviele Zikaden es überhaupt gibt. Milliarden, gar Billionen könnten es sein. Mit der schieren Masse sichern die Zikaden der Gattung Magicicada den Fortbestand ihrer Art: Fressfeinde schlagen sich zwar die Bäuche voll, aber es überleben immer noch ausreichend Zikaden, um für Nachwuchs zu sorgen.

Ein Schmaus für andere Tiere

Das grosse Fressen kann beginnen. Bild: keystone

Für Eichhörnchen, Vögel, Waschbären und Mäuse sind die kommenden Wochen ein grosser Schmaus. Auch Haustiere wie Hunde und Katzen greifen gerne zu, ihre Herrchen und Frauchen sollten dem aber Grenzen setzen, um Verstopfungen zu vermeiden, warnt der Experten-Blog «Freunde für Zikaden».

Auch für experimentierfreudige Hobbyköche bieten sich neue Möglichkeiten: Seit Wochen kursieren im Internet Tipps, wie die proteinhaltigen Insekten am besten zubereitet werden können. (sda/afp)

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