Switzerland

156 Schweizer Winter im Vergleich

War der Winter 2019/2020 ein Jahrhundertwinter?

Momentan zeichnet sich schweizweit der mildeste Winter seit Messbeginn 1864 ab. Lokal brachte der Winter 1 °C mehr als die bisher mildesten Rekord-Winter von 2006/07 und 2015/16. In diesem Sinne ist die Bezeichnung Jahrhundertwinter durchaus gerechtfertigt. Es ist die seit Dezember fast durchwegs überdurchschnittlich hohe Tagestemperatur, welche in der Summe über drei Monate zum extremen Saisonmittel führt.

Dieser Winter war 3 Grad zu warm

Monatsmittel der Temperaturen in Grad Celsius in der Schweiz seit 1864

Mittel Referenz­zeitraum 1961–1990

War das ein Winter, wie wir ihn in 40 Jahren jedes Jahr erleben werden?

Die bisherigen Analysen zum Wettermuster des zukünftigen Winters in der Schweiz brachten sehr unterschiedliche Resultate. Daraus lässt sich vorderhand kein typischer zukünftiger Winter ableiten. Alle Modellrechnungen zeigen hingegen für die kommenden Jahrzehnte übereinstimmend eine fortschreitende Wintererwärmung. Seit der vorindustriellen Periode 1871−1900 ist der Schweizer Winter knapp 2 °C milder geworden. Bis Mitte Jahrhundert ist ohne Klimaschutz ein weiterer Anstieg der Wintertemperatur um 2 bis 3,5 °C möglich.

Wie sah es diesen Winter mit Niederschlag und Schnee aus? Lag die Menge in der Norm?

In weiten Teilen der Schweiz fielen Wintersummen im Bereich der Norm 1981–2010 oder leicht darüber. Unterdurchschnittlich blieben die Niederschläge in der Nordwestschweiz, am zentralen Alpennordhang und im Engadin. Auffallend war der landesweit niederschlagsarme Januar. Meist grün war der bisherige Winter vor allem bis in eine Höhenlage von rund 1000 m. Darüber sank die Schneehöhe periodisch unter den Durchschnitt, blieb aber meist im normalen Schwankungsbereich. In hohen Lagen verlief der Schneedeckenaufbau regional entsprechend dem langjährigen Durchschnitt.

Der Winter 2019/2020 war normal nass

Monatsmittel der Niederschlagsmenge in Milimeter in der Schweiz seit 1900

Mittel Referenz­zeitraum 1961–1990

Wir erlebten mindestens drei Winterstürme. Wie passt das in den Wandel?

In den letzten Jahren wurden in der Schweiz eher wenig Tage mit hohen Windspitzen registriert. Ab Mitte der 1980er-Jahre bis etwa 2005 war es häufiger stürmisch. Es ist davon auszugehen, dass dies vorwiegend natürliche Schwankungen des Klimasystems sind. Das scheint auch so zu bleiben. In den Klimaszenarien gibt es keine eindeutigen Hinweise, dass sich die Häufigkeit starker Windspitzen in Zukunft in eine bestimmte Richtung bewegt. Allerdings ist noch nicht klar, wie vertrauenswürdig die heutigen Klimamodelle mögliche Änderungen von Windspitzen darstellen können.

Im Winter 2019/2020 gab es überdurch­schnittlich viel Sonne

Monatsmittel der Sonnenstunden in der Schweiz seit 1961

Mittel Referenz­zeitraum 1961–1990

Schauen wir uns die drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar, jeden für sich, etwas genauer an.

Dezember 2019:
Mit dem landesweit drittwärmsten Dezember seit Messbeginn erlebte die Schweiz einen extrem milden Winterbeginn. Einzelne Föhntäler der Alpennordseite registrierten gar den mildesten oder zweitmildesten Dezember seit Messbeginn. Die Dezembertemperatur lag nördlich der Alpen und in den Alpen verbreitet 2 bis 3 °C über der Norm 1981‒2010. In den Föhntälern der Alpennordseite stieg der Dezember 3 bis 4 °C über die Norm. Auf der Alpensüdseite und im Engadin bewegten sich die Dezemberwerte meist 1,5 bis 2 °C, lokal bis 2,4 °C über der Norm 1981‒2010. Im landesweiten Mittel lag der Dezember 2,5 °C über der Norm.

Januar 2020:
Die Schweiz registrierte in Höhenlagen über 1000 m den drittwärmsten Januar seit Messbeginn 1864. Lokal bewegte sich der Januar im Rekordbereich. Auf der Alpennordseite war es regional der sonnigste Januar seit Messbeginn vor über 100 Jahren. In der ganzen Schweiz zeigte sich der Januar sehr niederschlagsarm. Die Januartemperatur lag in tieferen Lagen der Alpennordseite verbreitet 2 bis 3 °C, regional 1,5 bis 2 °C über der Norm 1981‒2010. In Berglagen stieg der Januar 3 bis 3,6 °C über die Norm. Im Engadin und im Oberwallis bewegten sich die Werte 0,4 bis 1,7 °C über der Norm. Die Alpensüdseite registrierte verbreitet Januarwerte von 1 bis 2 °C über der Norm 1981‒2010. Im landesweiten Mittel lag der Januar 2,4 °C über der Norm.

Februar 2020:
Nach den momentanen Berechnungen bis zum Monatsende (Stand 20.2.2020) zeichnet sich auf der Alpensüdseite und in der Westschweiz ein neuer Februarrekord ab. In den Niederungen des Tessins liegt die erwartete Februartemperatur von 8 bis 9 °C rund 1 °C über dem bisherigen Rekord. In der Westschweiz dürfte der Februar mit 6,5 bis 7,5 °C etwa 0,5 bis knapp 1 °C über den bisherigen Höchstwerten zu liegen kommen. Im landesweiten Mittel wird sich der Februar 2020 voraussichtlich in die fünf wärmsten Februarmonate seit Messbeginn 1864 einreihen. Mit der Wärme kam auf der Alpensüdseite auch die grosse Trockenheit. Die Niederschlagsmengen erreichten verbreitet weniger als 20% der Norm 1981‒2010. Auf der Alpennordseite und in den Alpen fiel hingegen reichlich Niederschlag, oft als Regen bis in grössere Höhen. Viele Gebiete erhielten 150 bis 200% der Norm.